Politik : Heiße Spur zu Doktor Tod

Deutsche und spanische Ermittler jagen den KZ-Arzt von Mauthausen, Aribert Heim

Ralph Schulze[Madrid]

Madrid - Seit über 40 Jahren jagen Polizei und Privatdetektive den berüchtigten Nazi-KZ-Arzt Aribert Heim. Nun haben die Ermittler eine vielversprechende Spur gefunden, die nach Spanien führt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der inzwischen 91-jährige Heim nach seiner Flucht im Jahr 1962 lange Zeit unter falscher Identität an der spanischen Mittelmeerküste lebte. Dass jetzt sein Aufenthaltsort bekannt sei und seine Festnahme unmittelbar bevorstehe, wurde jedoch von der spanischen Polizei dementiert. Zudem wird berichtet, dass Heim seinen Häschern vermutlich bereits Anfang September entkommen sei – mit einem Flug von Madrid nach Lateinamerika.

Heim, 1914 in Österreich geboren, ist einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher. Er soll im Konzentrationslager Mauthausen bei Linz hunderte Häftlinge mit grausamen Experimenten getötet haben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum bezeichnet Heim als den „brutalsten Arzt neben Josef Mengele“. Mengele war im KZ Auschwitz für bestialische Todesexperimente an Häftlingen verantwortlich.

Die jüngste Naziverbrecher-Spur, welche deutsche und spanische Zielfahnder gemeinsam verfolgen, führt nun an die nordspanische Costa Brava, in deren mildem Klima viele deutschsprachige Rentner ihren Lebensabend genießen. Wie von den Sicherheitsbehörden verlautete, soll ein Familienangehöriger Heims seit Jahren hohe Geldsummen in Höhe von zusammen 300 000 Euro an einen Freund der Familie an der Costa Brava transferiert haben. Das Geld traf auf einer Bank in dem Ort Palafrugell ein. Der "Amigo" der Heim-Familie soll es dann weitergeleitet haben an einen Unbekannten mit deutschem Namen im 50 Kilometer nördlich liegenden Ort Rosas.

Die Fahnder schließen nicht aus, dass das Geld über Strohmänner gelenkt wurde und für Heim bestimmt war. Auch wenn die Betroffenen erklärten, es habe sich um Investitionen für einen Geschäftsaufbau gehandelt. Heims Familie, Ehefrau und drei Söhne, hatte bereits 1993 mitgeteilt, Heim sei in Argentinien gestorben. Eine Sterbeurkunde wurde den Behörden jedoch nicht vorgelegt. Die Polizei, wie auch die Nazijäger des Simon-Wiesenthal-Zentrums, glauben, dass die Todesnachricht nur gestreut wurde, um die Verfolger abzuschütteln.

Nun glauben die Ermittler, dass sie Heim, wegen seiner Grausamkeit auch „Doktor Tod“ genannt, dicht auf den Fersen sind. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat eine Belohnung von 130000 Euro ausgesetzt. Seiner Personenbeschreibung zufolge ist Heim eine recht auffällige Erscheinung: 1,90 Meter groß, blau-graue Augen, kräftige sportliche Gestalt, Schuhgröße 47. Und mit einer V-förmigen Narbe im Gesicht „quer zum rechten Mundwinkel“.

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