Politik : Heitmann-Nachfolge: Kurt Kohl (Kommentar)

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Der Fall Steffen Heitmann ist gelöst, aus Sicht von Kurt Biedenkopf ganz sicher befriedigend. Der christdemokratische Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe als neuer Justizminister in Sachsen: ein Ostdeutscher, der als Westdeutscher sozialisiert wurde und mit der großen Wende in die Heimat zurückkehrte. Unbestreitbar ein Verfechter ostdeutscher Interessen, der aber nur zu gut weiß, was mit den Westdeutschen machbar ist und was nicht. Noch dazu ein Notar, ein Fachmann - also wenn jetzt nicht alles fein austariert, alles wieder im Lot ist. Das ist es aber nicht. Erstens: Die Lösung hat lange, zu lange auf sich warten lassen. In der Zwischenzeit hat Biedenkopfs Autorität in der Öffentlichkeit Schaden genommen. Zweitens: Dem Ossi-Wessi-Ausgleich hat das Ganze wenig genutzt. Drittens: Auch in der CDU Sachsen - und in der CDU-Fraktion im Landtag - wird der lange Zeit Unantastbare inzwischen kritisiert. Majestätsbeleidigung? Das mag mancher und insgeheim auch Biedenkopf so empfinden, nachdem er ja nun wirklich lange als König Kurt verehrt worden ist. Nur ist es so: Jeder weiß, dass dies seine letzte Legislaturperiode sein soll. Gerangel um Macht und Nachfolge war da abzusehen. Umso weniger hätte der Ministerpräsident die Dinge laufen lassen dürfen, er hätte sich schon vor jedem Anschein nachlassender Schlagkraft hüten müssen. So sieht es aus, als mache nun ausgerechnet Kurt Biedenkopf einen Fehler, den er selbst seinem Parteifreund, seinem Duzfeind Helmut Kohl vorgeworfen hat: den richtigen Zeitpunkt für einen Abschied zu verpassen. Wie ironisch. Und wie schade.

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