Politik : Helden wie wir

Malte Lehming

Sie fallen sich ins Wort, werden laut, beschimpfen einander. Der Vorwurf des Rassismus wird erhoben, die Gegenseite brüllt: beleidigende Geschichtsverfälschung. Jeden Abend kommen die Kontrahenten in den großen US-Nachrichtensendern zu Wort. Amerika hat seinen Denkmalsstreit. Und er wird deshalb so erbittert geführt, weil er sich um nichts Geringeres dreht als die Erinnerung an den Terror und die heldenhaften New Yorker Feuerwehrleute.

Drei von ihnen - George Johnson, Dan McWilliams und Bill Eisengrein - standen am 11. September auf den Trümmern des World Trade Center und hissten die amerikanische Fahne. Das Bild ging um die Welt. Dieser Trotzmoment am Tag der Katastrophe hat sich eingeprägt. Die Botschaft hieß: Die Terroristen können unsere Häuser in Schutt und Asche legen, aber nicht unseren Willen brechen. 343 Feuerwehrleute waren bei dem Attentat ums Leben gekommen.

Jetzt soll sich das Bild als Bronze-Statue erheben. Sie könnte zum nationalen Denkmal werden. Auf dem Modell für die Statue, in Auftrag gegeben von der New Yorker Feuerwehrleitung, ist ein schwarzer, ein weißer und ein Feuerwehrmann südamerikanischer Herkunft zu sehen. Das spiegelt die ethnische Vielfalt der Stadt wider. Die Bewohner von New York City sind zu 44,7 Prozent weiß, zu 27 Prozent Latinos und zu 26,6 Prozent schwarz. Das Problem ist nur: Johnson, McWilliams und Eisengerein sind weiß - wie insgesamt 97 Prozent der Beschäftigten bei der New Yorker Feuerwehr. Sie und die meisten ihrer Kollegen wehren sich dagegen, den historischen Moment in eine politisch korrekte, symbolische Form zu gießen. Selbst Anwälte wurden eingeschaltet.

Am Donnerstag gab die Feuerwehrleitung dem Druck vorerst nach. Einen ganzen Tag lang hatte sie über die Angelegenheit beraten, am Abend hieß es dann, man würde "nach neuen Optionen" für das Denkmal suchen. Gut möglich, dass die Kontroverse nun erst richtig beginnt.

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