Politik : Helfer in Sudan verhaftet

Christoph Link

Nairobi - Die sudanesische Regierung geht mit Verhaftungen gegen westliche Helfer in der Krisenregion Darfur vor. Nach der Festnahme des Büroleiters der niederländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen in Sudan ist am Dienstag auch der Hilfekoordinator der Organisation für Darfur verhaftet worden. Die sudanesischen Behörden werfen dem 45- jährigen Bürochef Paul Foreman, und seinem 35-jährigen Mitarbeiter Vincent Hoedt Straftaten gegen den Staat, die Veröffentlichung von falschen Berichten und Spionage vor. Foreman kam am Dienstag nach einem Tag in Haft in Khartum gegen Kaution wieder frei, darf das Land aber nicht verlassen. Hoedt wurde erst am Dienstag in Nyala verhaftet.

Die beiden Ärzte-Mitarbeiter hatten im März einen Bericht über sexuelle Gewalt in Darfur veröffentlicht. Danach behandelte die Organisation binnen vier Monaten in West- und in Süddarfur 500 Frauen im Alter von zwölf bis 45 Jahren, die Opfer von Vergewaltigungen geworden waren. Der achtseitige Bericht enthält die anonymisierten Schilderungen von Betroffenen, verzichtet aber auf eine Nennung von Verantwortlichen. Allerdings werden als Täter häufig Männer in Militäruniformen oder „bewaffnete Männer auf Kamelen“ genannt, was auf die Präsenz der Regierungsarmee oder der mit der Regierung verbündeten arabischen Reitermilizen Dschandschawid schließen lässt. Viele Frauen berichteten, dass sie auf eine Anzeige bei der sudanesischen Polizei verzichteten, da dies mit einem hohen Risiko verbunden sei: In einigen Fällen seien die Opfer ins Gefängnis geworfen worden.

Die sudanesische Regierung hatte von den Ärzten ohne Grenzen Beweise und die Nennung der Informanten verlangt. Doch Paul Foreman hatte die Preisgabe der Informationen unter Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht verweigert. Geoff Prescott, der Direktor von Ärzte ohne Grenzen in den Niederlanden, bezeichnete den Bericht als „akkurat und wahrheitsgemäß“. Die Verhaftungen der beiden Mitarbeiter sei „schockierend“ und „nicht akzeptabel“. Die „Ärzte“ arbeiten seit 20 Jahren in Sudan.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben