Politik : Hellseher

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wer sich in der Mediendemokratie in die Politik begibt, muss damit rechnen, dass sein Privatleben öffentlich ausgebreitet wird. Manchmal allerdings verlieren Menschen, die für politische Ämter im Gespräch sind, sogar das Recht auf das eigene Kind. Diese Erfahrung musste zumindest Silvana Koch-Mehrin machen. Die Unternehmensberaterin mit Sitz in Brüssel ist Mitglied im FDP-Bundesvorstand und wurde schon oft als neue Generalsekretärin der Liberalen gehandelt. Kürzlich erhielt die 32-Jährige einen Anruf ihrer Eltern, die pikiert fragten, warum sie aus der Personalien-Seite des „Spiegel“ erfahren müssten, dass ihre Tochter einen Sohn bekomme. Das Dumme ist nur: Weder Koch-Mehrin noch ihr irischer Lebensgefährte wissen bislang das Geschlecht ihres bald erwarteten Babies. Die Fähigkeiten von Hellsehern attestiert die werdende Mutter deshalb den Magazin-Machern, sie selbst will mit keinem „Spiegel“-Journalisten gesprochen haben. Auch dass sie gleich nach der Geburt zum FDP-Bundesparteitag am 16. Mai eilen wolle, sei daher „eine Fabel“ – und zur Wahl als Generalsekretärin wolle sie sich mit einem Neugeborenen auch nicht stellen. Noch in einem anderen Punkt widerspricht die Schwangere: In Belgien komme ihr Kind nur zur Welt, „weil ich dort wohne und das Krankenhaus nur 50 Meter Luftlinie von meiner Wohnung entfernt liegt, nicht weil mein Freund es in Deutschland erst adoptieren müsste, damit es seinen Nachnamen erhält“.

Eine Entscheidung hat sie angesichts drohender gälischer Zungenbrecher allerdings schon getroffen: „Das Kind bekommt einen irischen Vornamen – und einen, den man aussprechen kann!“

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