Politik : Helmut Kohl: Erstmals ohne ihn

Heidi Parade

In Rheinland-Pfalz wird es zur Landtagswahl am 25. März 2001 keinen zentralen Wahlkampfeinsatz von Helmut Kohl geben. Beim CDU-Landesverband sei dies kein Thema, sagt Generalsekretär Claudius Schlumberger. In der zentralen Redner-Planung sei Kohl nicht vorgesehen.

Vor der Landtagswahl 1996 war Kohl als Wahlkämpfer zwischen Rhein und Mosel überaus gefragt. Für seinen CDU-Heimatverband füllte er in sechs zentralen Veranstaltungen die Säleund verbreitete unter seinen 1991 auf die Oppositionsbank verbannten Parteifreunden Siegeszuversicht wie kein anderer. Dass SPD und FDP in Mainz dann doch an der Macht blieben, hatte nicht er zu verantworten.

Niemand in Kohls Heimatverband hätte sich vor fünf Jahren träumen lassen, dass der Altkanzler beim zweiten Anlauf zur Rückeroberung der Macht als Wahlkämpfer nicht erwünscht sein könnte. Obwohl der CDU-Landes- und Landtagsfraktionsvorsitzende Christoph Böhr zu Beginn des "Bimbes"- Skandals in Treue fest zum einstigen Denkmal der Union gestanden und vor einer "schleichenden Distanzierung" von Kohl gewarnt hatte, hält man es in diesem Landesverband nun für ratsam, auf dessen Einsatz zu verzichten. Kohl polarisiere noch immer zu sehr, heißt es dort. "Es gibt keine Anfrage von uns, und es gibt keine Anzeichen, dass er selbst will", sagt Böhrs Generalsekretär.

Schlumberger räumt ein, dass viele Mitglieder eine Aussöhnung als Balsam für die Seele der Landespartei empfinden würden. Eine andere Frage sei aber, ob Kohl aktiv in den Wahlkampf eingreifen solle. "Wir führen den Wahlkampf mit denen, die in Zukunft das Land gestalten sollen", wendet Schlumberger unter Anspielung auf Kohls Alter ein. Doch der wahre Grund, auf den Altkanzler zu verzichten, liegt woanders. Böhrs Mannen hätten bei Kohls Auftritten wohl Störtrupps zu befürchten, die den Schwarzgeldskandal lautstark zur Sprache bringen könnten. "Das würde der Partei nichts nutzen", heißt es in CDU-Kreisen.

Statt Kohl sind im rheinland-pfälzischen Wahlkampf andere gefragt. Angela Merkel wird sechs Mal auftreten. Fraktionschef Merz und Bayerns Ministerpräsident Stoiber sind zwei bis drei Mal eingeplant. Nicht ausschließen will der CDU-Generalsekretär lediglich, dass Kohl von Kreisverbänden eingeladen wird. "Wenn er es annimmt, dann ist es ok, dann soll er es machen."

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