Politik : Helmut Kohl will bis zum Jahr 2002 Bundeskanzler bleiben

Klarstellung im Fernsehen / CSU fordert Mitspracherecht / Ausscheiden Töpfers aus dem Kabinett gilt als sicher BONN (dpa/Tsp).Helmut Kohl hat ausdrücklich betont, daß er im Falle eines Wahlsieges bis zum Jahr 2002 Bundeskanzler bleiben werde.Im ZDF wies er Spekulationen zurück, er wolle im Falle eines Wahlsiegs sein Amt während der Legislaturperiode an seinen erklärten Wunsch-Nachfolger Wolfgang Schäuble übergeben.Die Opposition bezeichnete Kohls Nachfolge-Äußerung als schweren taktischen Fehler.In der Union traf das Votum für Schäuble überwiegend auf Zustimmung; es löste, vor allem an der Parteibasis, aber auch Verwirrung aus.CSU-Chef Waigel sagte, seine Partei werde Kohls Wunschkandidaten "nicht automatisch unterstützen".Er verlangte eine Mitentscheidung in der Kandidatenfrage. -"Wenn ich antrete, trete ich für die Legislaturperiode an", sagte Kohl am Donnerstag im ZDF.Er fügte hinzu: "Es gibt keinen Kanzler auf Abruf.Das wäre das allerletzte, was ich tun würde." Er wolle nach einem Wahlsieg bis zum Jahr 2002 amtieren.Kohl erneuerte seine Auffassung, daß er Schäuble in jeder Weise für geeignet halte, das Amt des Bundeskanzlers zu übernehmen.Er, Kohl, habe aber nichts zu vergeben.Dies würden zum gegebenen Zeitpunkt die entsprechenden Gremien entscheiden. SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering sprach vom "entscheidenden Sargnagel in Kohls Regentschaft".In der Politik gehöre es zum "ersten Semester", daß ein politischer Nachfolger erst benannt werde, wenn man den Zeitpunkt seines eigenen Abgangs bestimmt habe.Grünen-Vorstandssprecher Jürgen Trittin sagte im Westdeutschen Rundfunk, weil die Union Angst habe, die Wahl zu verlieren, schicke Kohl "nunmehr auch offiziell einen Reservespieler ins Rennen". CSU-Chef Waigel verlangte eine Mitentscheidung in Anlehnung an die frühere Prozedur von CDU und CSU, "gemeinsam jeweils in Eigenständigkeit und Souveränität den Kanzlerkandidaten zu bestimmen." In der Nachfolge Kohls werde es wieder dazu kommen, "wie wir es in den 70er Jahren hatten". Die CDU-Landesverbände begrüßten Kohls Votum für Schäuble im Grundsatz einhellig.Aus den Reihen der jungen CDU-Länderchefs wurde jedoch Kritik am Zeitpunkt laut.Niedersachsens CDU-Chef Christian Wulff ging im Norddeutschen Rundfunk (NDR) auf Distanz zu Kohl: Die Nachfolgefrage müsse erst entschieden werden, wenn sie anstehe."Die Äußerung hätte man auch wohl nicht unmittelbar nach Ende des Parteitages machen sollen." Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU), der ebenfalls als Nachfolge-Kandidat Kohls im Gespräch war, begrüßte das Votum für Schäuble.Er habe immer gesagt, Schäuble habe die Priorität, deshalb habe er "kein Problem damit".

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