Heroinabgabe : Opposition will Modellversuch verlängern

Die Oppositionsfraktionen im Bundestag bereiten einen Gruppenantrag für die legale, staatliche Heroinabgabe an Schwerstabhängige vor. Ohne Initiative droht dem Modellprojekt in sieben Städten das Aus.

Berlin - Die betroffenen Kommunen setzen sich vehement für eine Verlängerung der "Heroingestützten Behandlung von Schwerstabhängigen" ein. Die Städte beurteilen das Projekt durchweg positiv - auch Studien stützen das. Es ist befristet bis zur Jahresmitte. Die kontrollierte Heroinabgabe war ab 2002 als Modellversuch in Bonn, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln und München gestartet worden. Am Mittwoch wollen die Städte ihr weiteres Vorgehen abstimmen.

"Wir haben vereinbart, dass wir die Zeit im Februar nach der Gesundheitsreform nutzen wollen, um für einen Gruppenantrag auch Kollegen aus den Koalitionsfraktionen zu gewinnen", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Terpe. Er wolle sich um Kontakte zur SPD bemühen, die FDP wolle mit der Union sprechen. Die Unionsfraktion habe noch erheblichen Diskussionsbedarf, so Terpe.

Terpe: Lebensqualität für Schwerstabhängige verbessert sich

Ende Februar soll entschieden werden, ob der Gruppenantrag im Parlament eingebracht wird. Terpe zeigte sich überzeugt, zahlreiche Abgeordnete dafür zusammenzubekommen. Er erwartet, dass bei "glaubhaften Signalen" aus dem Parlament für eine gesetzliche Grundlage der Heroinabgabe, die Modellprojekte zunächst ein weiteres Mal verlängert werden könnten. Dafür ist das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zuständig. Allerdings warnte Terpe: "Wenn die Mehrheit des Parlamentes sich nicht in die Richtung bewegen lässt, dann sieht es tatsächlich trübe aus."

Terpe, der Arzt ist, sagte: "Für eine Gruppe von Schwerstabhängigen verbessert die Heroinbehandlung die Lebensqualität und Gesundheit." Es gebe gute Gründe, "diese Modellprojekte nicht nur weiterzuführen, sondern auch weiteren Schwerstabhängigen zu ermöglichen daran teilzunehmen." Derzeit seien etwa 300 Menschen in der Behandlung. Die Zahl der Städte mit staatlicher Heroinabgabe werde steigen. Maximal, schätzt Terpe, könne durch die Legalisierung bis zu 1400 Leuten geholfen werden. (tso/dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar