Politik : Herr der Ringe

Esther Kogelboom

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Im Saarland liebt man den Lyoner Ring. Dabei handelt es sich um eine ringförmige Fleischwurst. In anderen Bundesländern werden diese Fleischwürste oft an Hauskatzen verfüttert, im Saarland nimmt man die Lyoner gern mit einem Tröpfchen Maggi zu sich. Mh, c’est bon, muss der saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU) gedacht haben. Wenn wir uns als Mini-Land schon keinen eigenen Stand auf der Grünen Woche leisten können, muss ich unsere Delikatessen eben in einem Bollerwagen über die Messe ziehen. Nachdem Mörsdorf eine schöne Schönheits- und diverse Weinköniginnen zu seinem Schutz engagierte hatte, zog er mit reichlich Lyoner und ein paar Flaschen Maggi über die Grüne Woche. Abends sprach der sichtlich erschöpfte Mörsdorf von Guerilla-Marketing. Das ist ganzer Einsatz.

Die Frage ist bloß: Weshalb setzt der Minister-Guerillero ausgerechnet auf die Werbewirksamkeit von komischen Ringwürsten, wo sich doch das Saarland mit einer Vielzahl von komplexeren Gerichten schmückt? Es gibt dort zum Beispiel Buddeng mit Gelleriemutsch (Blutwurst mit Kartoffel-Steckrübenmatsch), Dibbelabbes (Kartoffelauflauf mit Speck), Gefilde (Klöße in Speckrahmsauce) und auch Kerschder (rohe Kartoffelwürfel in Fett). Abwechslungs- und ballaststoffreiche Küche eben, Gerichte mit fantasievollen Namen. Damit hätte Mörsdorf mit Sicherheit großes Aufsehen erregt. Aber er konnte dem Reiz der Fleischwurst nicht widerstehen.

Und dann ausgerechnet Maggi. Mit Maggi kann eine wehrlose Ringwurst quasi exekutiert werden. Außerdem – und das ist jetzt wirklich ein peinlicher Faux Pas – kommt Maggi gar nicht aus dem Saarland. Sondern aus dem kulinarisch hoch entwickelten Baden-Württemberg.

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