Politik : „Herr Präsident, bitte lächeln Sie für uns“

Italien trauert um die im Irak getöteten Soldaten und Carabinieri

Thomas Migge[Rom]

Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi umarmte den Vater eines der toten Soldaten mit einer so ergreifenden Herzlichkeit, dass selbst die Nachrichtensprecherin des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders RAI ein Schluchzen unterdrücken musste. Am Montagmorgen eröffnete Italiens Staatspräsident zusammen mit seiner Frau Franca die Gedenkfeierlichkeiten für die vor knapp einer Woche bei einem Attentat im südirakischen Nassirijah getöteten 19 Soldaten und Carabinieri. Ciampi war der erste, der die aufgebahrten Särge besuchte. Er zeigte sich den Hinterbliebenen gegenüber mit einem so betroffenen Gesichtsausdruck, dass ihn die Mutter eines der Soldaten dazu aufforderte, „für uns alle zu lächeln”.

Als Ort des Gedenkens hatte das Verteidigungsministerium den Altar des Vaterlandes ausgewählt – jenes gigantische weiße Travertingebäude, das sich neben Michelangelos Kapitol erhebt, wo das Rathaus untergebracht ist. Dieser Monumentalbau wurde 1911 eingeweiht. Für seinen Bau musste ein ganzes Stadtviertel abgerissen werden. Die Römer nennen den Altar, der dem unbekannten Soldaten geweiht ist, wegen seiner Form spöttisch „Die Schreibmaschine”. Ein mehrere hundert Meter langer roter Teppich führte über dieStufen zu den in einer Halle aufgereihten Särgen hinauf. Nachdem Staatspräsident Ciampi und andere Repräsentanten den Toten die letzten Ehren erwiesen hatten, wurde das Haupttor des Altares für die Bürger geöffnet, die sich in das Ehrenbuch des Heeres und der Carabinieri eintragen wollten. Am Dienstag früh sollten die Särge in die Basilika des Heiligen Paulus vor den Mauern der Stadt transportiert werden. Zu dem Trauerzug wurden mehr als eine Million Menschen erwartet. Für den späten Vormittag war die offizielle Trauerfeier geplant, die über Großbildschirme live nach draußen übertragen werden sollte. Während der zweitägigen Staatstrauer, so ein Sprecher des Rathauses, sollen das Kolosseum und andere historische Gebäude nicht beleuchtet werden.

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