Politik : Herz ist Trumpf

Das Duell fasziniert die Menschen. Es ist aus dem Wahlkampf nicht mehr wegzudenken – meinen die Kanzler-Kommissare

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Von Ulrike Simon

Lernfähig sind sie, das bewiesen die Moderatorinnen, der Kanzler, der Herausforderer und auch die Sender. Das vor zwei Wochen noch völlig unbekannte Format scheint sich durchzusetzen. Standen beim ersten TV-Duell noch die Regeln im Vordergrund und bezog sich die Kritik vor allem auf die Starre dieses Regel-Korsetts, konnten sich die Zuschauer, die Beobachter und die Experten diesmal mehr auf die Kandidaten und Inhalte konzentrieren. Das wurde auch bei der Kanzlerkommission aus Politik- und Medienwissenschaftlern deutlich, die sich, wie schon beim ersten Mal, im Anschluss in Berlin traf, um das Fernsehduell zu analysieren. Die Diskussion moderierten Günter Müchler, Programmchef von Deutschland-Radio, und Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Tagesspiegel.

„Duelle entscheiden keine Wahlen. Doch das Fernsehen tut, was es kann und hat das heute besser getan als beim ersten Mal. Trotzdem kann man es noch besser machen“, sagte Claus Leggewie vom Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen. Das Duell sei sehr viel organischer, natürlicher verlaufen als beim ersten Mal, sagte auch Bernd Gäbler, Chef des Grimme-Instituts. Dadurch habe die Form es zugelassen, diesmal auch über Inhalte zu sprechen. Gäbler glaubt, dass sich das Format bewährt hat, dass es auch künftig Fernsehduelle geben wird; auch auf anderen Ebenen wie zum Beispiel Landtagswahlen. Allerdings, schlug Christine Landfried vom Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg vor, wäre es besser, das hölzerne Schlussstatement künftig zu streichen und Publikum zuzulassen.

Dank der Moderatorinnen sei aus der „Mischung aus Abiprüfung und Quizshow“ eine „Informationssendung“ geworden, sagte Lutz Hachmeister, Juryleiter des Deutschen Fernsehpreises. Das bestätigte auch Roland Schatz, dessen Institut Medientenor herausfand, dass bei diesem zweiten Duell der Anteil sachpolitischer Aussagen mit 71,5 Prozent noch höher war als beim ersten Duell (68,7 Prozent). Auch die Antworten der Kandidaten waren konkreter, allerdings antwortete Stoiber nicht unbedingt auf die Fragen, die ihm gestellt wurden. Das wirkte, als hätte Stoiber gesagt bekommen, er solle einfach bei jeder dritten Antwort das Thema Arbeitslosigkeit ansprechen, sagte Expertin Landfried. Stoiber habe dieses Thema geradezu „totgeritten“, bestätigte Leggewie. Schröder hingegen, sagte Hachmeister, habe es mit Ironie und Witz verstanden, dem Publikum klarzumachen, dass Stoiber für ihn kein gleichwertiger Gegner ist.

Mit Kritik am Herausforderer hielt sich der Kanzler zurück. Anders Stoiber, der sich erneut mehrfach negativ über Schröder äußerte. „Es zahlt sich nicht aus, wenn jemand so aggressiv ist“, sagte Schatz. Was sich hingegen auszahle, sei die Fähigkeit, die „eigene Anhängerschaft zu befeuern“, sagte Gäbler. Hier sei Schröder im Vorteil. Leggewie pflichtete bei: „Schröder war heute Sozialdemokrat, das hat die Herzen erwärmt.“ Stoiber habe es hingegen versäumt, sich als Konservativer zu profilieren. Darauf scheint es beim TV-Duell anzukommen: Jene bestärken, die sowieso wissen, wen sie wählen.

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