Politik : Herzog bittet Tschechenum Vergebung fürdeutsches Unrecht

"Versöhnungserklärung ist ein Manifest der Zukunft" Prag(AP/AFP/rak).Bundespräsident Roman Herzog hat die Tschechen um Vergebung für von Deutschen begangenes Unrecht gebeten.In einer von Fanfaren eingeleiteten und mit viel Beifall bedachten Rede vor beiden Kammern des Parlaments unterstrich er zugleich die Bereitschaft der Deutschen zur Vergebung.Die deutsch-tschechische Erklärung vom Januar nannte er ein "Manifest der Zukunft." Die Deklaration sei ein Signal für den Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft im geeinten Europa.Der tschechische Präsident Havel begrüßte den Besuch Herzogs als "neue Etappe" in den Beziehungen.-Die Rede im Kuppelsaal der böhmischen Könige auf der Prager Burg fand in einer gespannten Atmosphäre statt, weil die rechtsradikalen Republikaner Störungen angekündigt hatten.Dazu kam es aber nicht.Havel wies zur Begrüßung auf Herzogs Vorgänger von Weizsäcker hin, der 1990 am Jahrestag des Einmarsches Hitlers in die Tschechoslowakei gesprochen hatte.Die künftige Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern werde immer weniger von der "bitteren Vergangenheit" belastet sein. Herzog erhielt Beifall für die Zusicherung, daß die überwältigende Mehrheit der Deutschen und Sudetendeutschen gute Nachbarschaft wolle und die Deutschen von den Tschechen dasselbe dächten.Er forderte Verständnis für die Gefühle der Sudetendeutschen und rief zur ungeteilten Wahrheit gegenüber der gemeinsamen Geschichte auf.Aufrechnen führe nicht in eine gemeinsame Zukunft.Den Mut zur Wahrheit vermochte Herzog in einer Art und Weise anzumahnen, die von seinen oft sehr sensiblen Zuhörern kaum anmaßend oder rechthaberisch verstanden werden konnte. Die von Bundeskanzler Kohl im Januar in Prag unterzeichnete Erklärung gilt nach Herzogs Worten in allen Teilen.Sie sei ein "Manifest der Zukunft" und erlaube keine Hintergedanken und Hintertürchen.Diese vorbehaltlose Zusicherung verfolgte man in Prag gespannt: So klar hat sich noch kein offizieller Bonner Vertreter ausgedrückt.Herzog verlangte besonders von den Deutschen Großmut und die Bereitschaft zu Vorleistungen.Beide Länder stünden am Beginn eines langen Weges, an dessen Ende Versöhnung stehe.Respekt zollte Herzog allen, die die Erklärung nicht mittragen könnten.Sie sollten sich aber von der Gestaltung des neuen Verhältnisses nicht ausschließen.Die Vertreter der jüdischen Gemeinden riefen Bonn auf, die 9000 noch lebenden ehemaligen KZ-Häftlinge zu entschädigen.

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