• Hessen braucht keinen Rat - nur Roland Koch - fast einmütig wird der alte Chef wiedergewählt

Politik : Hessen braucht keinen Rat - nur Roland Koch - fast einmütig wird der alte Chef wiedergewählt

Christoph Schmidt Lunau

Am Samstag, um genau fünf Minuten vor zwölf, nahm der Landesparteitag der hessischen CDU in Wiesbaden seine wichtigste Entscheidung vorweg. Eineinhalb Stunden lang hatte Roland Koch zu den fast 400 Delegierten gesprochen, über seine Aufklärungsarbeit und über seine Fehler. Am Ende der Rede erhoben sich die Delegierten von den Sitzen und spendeten ihrem Vorsitzenden Minuten langen Beifall. Das "Signal der Geschlossen- und Entschlossenheit", Roland Kochs Wunsch an diesen Parteitag, hatte die Parteibasis schon gegeben bevor die Stimmen ausgezählt waren. Am Ende bekam Roland Koch 372 von 383 Stimmen und wurde so eindrucksvoll in seinem Amt als Landesvorsitzender der hessischen Union bestätigt. Nur neun Delegierte stimmten mit Nein. Damit hatte Koch sein Ergebnis von vor zwei Jahren sogar noch leicht verbessern können.

Koch betonte, die CDU-Schwarzgeldaffäre zu 98 Prozent aufgeklärt zu haben. Nur mit dieser schonungslosen Offenheit habe sich die Union gegen Verdächtigungen wehren können. Er warb um Fairness für den früheren Landesvorsitzenden Kanther und Ex-Schatzmeister Prinz zu Sayn-Wittgenstein, die als Hauptfiguren der Affäre gelten. Beide hätten mit der Etablierung einer schwarzen Kasse in der Schweiz einen historischen Fehler begangen, sich aber auch große Verdienste um die Union erworben.

Zum ersten Mal hatten sich die Delegierten am Vormittag lautstark bemerkbar gemacht, als sich der örtliche CDU-Kreisvorsitzende, der Landtagsabgeordnete Horst Klee, sich jede Einmischung von Außen verbat: "Wir brauchen keine Ratschläge von Horst Eylmann und Rita Süssmuth", rief er, seine letzten Worte - "Wir schaffen unsere Probleme selbst weg!" - gingen schon im Jubel der Delegierten unter.

Mit seiner brillanten Rede machte Roland Koch in Wiesbaden deutlich, weshalb ihm Landesvorstand und Präsidium der hessischen Union auch nach seinem "Fehler-Geständnis" einstimmig den Rücken gestärkt hatten. Obwohl der Ministerpräsident auch selbstkritische Töne anschlug, nahmen ihm die Delegierten seinen Rechenschaftsbericht als eine Erfolgsbilanz ab. Koch erinnerte an die Regierungspolitik, an die Einstellung von 1400 Lehrern in Hessen, an den Ausbau des Straßensystems, an den Bau neuer Haftplätze. Er berichtete ausführlich über seine "Aufklärungsarbeit", er bekannte sich aber auch zu seinen Fehlern, nannte seine öffentliche Lüge eine "Riesendummheit".

Roland Koch dankte ausdrücklich seiner Koalitionspartnerin Ruth Wagner, der FDP-Landesvorsitzenden. Er bot der FDP-Bundesspitze, die ihn öffentlich zum Rücktritt aufgefordert hatte, eine "Brücke des Vertrauens" an. "Hessen braucht Roland Koch", einen Autoaufkleber mit dieser Botschaft wurde den Delegierten bereits mit den Tagungsunterlagen ausgehändigt. Keiner der Redner der hessischen Union, der diesen Satz nicht unterschrieben hätte.

Der Senior der Partei, der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling sprach von einer Schicksalsstunde und rief den Delegierten zu, Koch habe mit der Finanzaffäre der hessischen CDU "nichts, aber auch gar nichts zu tun". Koch habe sich in seiner "großen Rede" als "ehrlicher Mensch" präsentiert, der es auch gewagt habe, "mit uns ehrlich zu sein". Es gelte zu verhindern, dass das "Bollwerk Hessen mit Roland Koch an der Spitze" gestürmt werde.

Am Ende räumte der frühere Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber ein, dass es jetzt gelte, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, nicht nur das eines Parteitags, sondern das der Wählerinnen und Wähler. Besonders dankbar waren die Delegierten dafür, dass der Ex-Banker Hans Hermann Reschke seine Kandidatur für die Position des Schatzmeisters aufrecht erhalten hatte. Er segle auch lieber bei schönem Wetter, sagte Reschke, aber er verkrieche sich bei Sturm nicht unter Deck.

Reschke nannte Koch einen "brillanten Mann", ein "Glück für Hessen", der es schaffen könnte, wieder Vertrauen in die Politik zu erreichen. "Ohne Aussprache" entlastete der Parteitag übrigens den scheidenden Landesvorstand, die Kassenprüfer hatten nichts zu beanstanden, "ausgeschlossen die außerordentlichen Geldflüsse", eine vornehme Umschreibung der Millionenzuwendungen aus den schwarzen Kassen der Partei.

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