Hessen : Koch entschuldigt sich für Kulturpreis-Aberkennung

Der hessische Ministerpräsident Koch hat sich bei dem muslimischen Autor Navid Kermani für die Irritationen um die zeitweilige Aberkennung des hessischen Kulturpreises entschuldigt. Den Streit ausgelöst hatte ein umstrittener Aufsatz Kermanis über christliche Kreuze.

Kulturpreis
Die Träger des Hessischen Kulturpreises 2009, Peter Steinacker (v.l.), Kardinal Karl Lehmann, Navid Kermani und Salomon Korn...Foto: ddp

WiesbadenDie Kommunikation mit Kermani sei nicht gelungen gewesen und habe den Konflikt noch komplizierter gemacht und emotional verschärft, sagte Roland Koch (CDU) bei der Preisverleihung am Donnerstag in Wiesbaden. Dafür entschuldige er sich persönlich.

Den Streit ausgelöst hatte ein umstrittener Aufsatz Kermanis über christliche Kreuze. Der muslimische Autor hatte im Zusammenhang mit der Kreuzestheologie von Gotteslästerung geschrieben, war am Ende seines Aufsatzes aber zu dem Schluss gekommen: „Ich könnte an ein Kreuz glauben.“ Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann lehnte es zunächst ab, gemeinsam mit Kermani geehrt zu werden und schrieb einen Brief an Koch. Unterstützung erhielt der Mainzer Bischof vom früheren Präsidenten der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker. Vierter Preisträger ist der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Salomon Korn.

Der Preis wurde Kermani zwischenzeitlich aberkannt. Die Entscheidung sorgte bundesweit für viel Kritik. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach sogar von einer „Staatsposse“. Später wurde die ursprünglich für Juli geplante Verleihung verschoben. Erst ein Treffen der vier Preisträger Ende August beendete den Streit. Lehmann, Steinacker und Korn sprachen sich anschließend dafür aus, Kermani den Preis doch anzuerkennen. Das Kuratorium bestätigte dies. Der mit 45 000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr für Verdienste um den Dialog der Religionen vergeben.

Die Kontroverse der vier Preisträger habe auch gezeigt, wo die Probleme im Dialog zwischen den Religionen lägen, so Koch. „Aber sie haben uns auch gezeigt, wie man die Probleme aus dem Weg räumen kann.“ Vor Kermani sollte eigentlich der in der Türkei geborene Wissenschaftler Fuat Sezgin als Vertreter des Islam ausgezeichnet werden. Sezgin hatte dies aber abgelehnt, weil Mit- Preisträger Korn aus seiner Sicht die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern im Gaza-Streifen zu einseitig kommentiert habe. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar