Hessen-SPD : Scheer will nicht mehr

Eine der ersten Amtshandlungen für Thorsten Schäfer-Gümbel als Spitzenkandidat der hessischen SPD war die Kommentierung einer pikanten Personalie: Hermann Scheer wird nicht noch einmal Schattenminister für Umwelt und Energie, wie er es im Team von Andrea Ypsilanti, der hessischen SPD-Chefin, war.

Wiesbaden -  „Ich habe von mir aus gesagt, dass ich nicht nochmal in das Schattenkabinett gehen will. Die Zerrbilder, die über meine Rolle und meine politischen Motive darin gezeichnet wurden, haben nichts mit mir zu tun“, sagte Scheer dem Tagesspiegel und spielte damit auf Kritik auch aus den Reihen der SPD an ihm an. Dass Scheer noch einmal so stark in einen Wahlkampf involviert sein wird wie in Hessen, ist fraglich. „Andrea Ypsilanti hat meine Vorstellungen in vollem Umfang geteilt, weshalb ich mich auch intensiv im Wahlkampf engagiert habe, das muss sich in dieser Form in anderen Wahlkämpfen aber nicht wiederholen“, sagte Scheer.

Schäfer-Gümbel will den Rückzug Scheers nicht als Signal der Kurskorrektur erscheinen lassen. Andererseits geht es ihm um neue Akzente. Er findet freundliche Worte über Scheer. Dieser zeichne gerne „große Bilder“, fügt er leicht ironisch hinzu, auf Scheers Neigung zu langen Reden anspielend. Und dann folgt das Eingeständnis, die SPD habe es der CDU im Wahlkampf allzu leicht gemacht, die Frage einer zukunftsfähigen Energiepolitik auf das Für und Wider von Windrädern zu verkürzen.

Das solle nicht noch einmal passieren. Außerdem soll der innere Frieden wieder in die hessische SPD einkehren. „Wir haben das alle zusammen kollektiv versemmelt“, sagte Schäfer-Gümbel. Seit Tagen weigert er sich zudem, das Verhalten der vier Abweichler zu bewerten, die die geplante Regierungsübernahme in der vergangenen Woche verhindert hatten. Indirekt tut er es doch. Mit Dagmar Metzger habe er telefoniert, berichtet er. Über die anderen drei verliert er kein Wort. Ob er sich vorstellen könne, mit Metzger auch im nächsten hessischen Landtag zusammenzuarbeiten? Die Aufstellung der SPD-Direktkandidaten sei Sache der Basis, „ich nehme diesen Entscheidungsprozess niemandem ab“, sagt er vor Journalisten. Es hängt von Metzger selbst und der Basis in ihrem Wahlkreis ab, ob sie erneut für die SPD kandidiert, so die unausgesprochene Botschaft. Im Frühjahr, auf dem Parteitag in Hanau, war der damalige SPD-Vize Jürgen Walter noch ausgebuht worden, als er die Option auf eine große Koalition offenhalten wollte. Der Parteitag stimmte gegen diese Option. Schäfer-Gümbel hat den damaligen Beschluss kassiert. Die Situation heute sei anders. Nicht einmal eine Koalition mit Roland Koch will er ausschließen. Das gebiete die „Demut vor dem Wähler“. csl/ctr

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