Politik : Hessens SPD sucht ihr Profil – und einen Spitzenkandidaten

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Die hessische SPD tut sich schwer bei der Suche nach einem Herausforderer für Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für die Landtagswahl 2008. „Wenn es schlecht läuft, spielen wir im Sommer Berliner CDU“, sagt ein Wiesbadener Spitzengenosse.

Hinter friedlicher Kulisse streiten zwei „feindliche Milieus“. Auf der einen Seite die „Linken“ um die Agenda-Kritikerin Andrea Ypsilanti (48); die Landesvorsitzende hat offen gelassen, ob sie gegen Koch antreten will. Ihre Kandidatur wollen die „Netzwerker“ um Landtagsfraktionschef Jürgen Walter (37) unbedingt verhindern. Walter hat Ambitionen auf die Spitzenkandidatur. Er will die hessische SPD auf einen pragmatischen Kurs festlegen. Nicht ohne Häme weist die mit absoluter Mehrheit regierende CDU immer wieder auf die politischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vorsitzenden von Fraktion und Partei hin, wenn zum Beispiel Walter nachgelagerte Studiengebühren fordert, die Ypsilanti als verfassungswidrig geißelt.

Will Hessens SPD 2008 nach neun Jahren in der Opposition wieder Regierungsverantwortung übernehmen, braucht sie aber ein klares Profil und einen überzeugenden Koch-Herausforderer. Mit dem Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke (50) gibt es einen möglichen Kandidaten, auf den sich beide Flügel einigen könnten. Der einflussreiche Kommunalpolitiker hat nach dem Niedergang der „Lederstadt“ Offenbach zu einem Dienstleistungsstandort umgestaltet. In dem schmerzhaften Prozess ging er unkonventionelle Wege und legte sich dabei auch mit seiner Partei an. Dafür erreichte er bei zwei Direktwahlen jeweils mehr als 60 Prozent der Stimmen.

Kampfkandidaturen sind Grandkes Sache nicht. Vergangene Woche wechselte er von seinem Posten im Rathaus zu einem Tochterunternehmen der Landesbank Helaba. Als bekannt wurde, dass Grandke den Managerposten bei der Entwicklungsgesellschaft OFB übernehmen würde, lobte ihn Ministerpräsident Koch als fähigen Mann. In der Staatskanzlei ging man offenbar davon aus, dass sich ein möglicher Konkurrent verabschiede. Doch Grandke kokettiert: Er gebe zwar mit dem Wechsel alle politische Ämter auf, werde aber nicht politisch abstinent leben.

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