Hessenwahl : Ypsilanti tritt gegen Koch an

Die hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti tritt bei der Landtagswahl Anfang 2008 gegen CDU-Ministerpräsident Roland Koch an. Ein SPD-Parteitag wählte sie zur Spitzenkandidatin.

Rotenburg/Fulda - Für die Hessen stehen die Alternativen bei der Landtagswahl im Januar 2008 fest: Der konservative CDU-Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird in gut einem Jahr von der SPD-Parteilinken Andrea Ypsilanti herausgefordert. Die 49-jährige Landesvorsitzende setzte sich beim Landesparteitag in Rotenburg an der Fulda in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenkandidatur gegen den 38-jährigen Fraktionschef Jürgen Walter durch. Erst im zweiten Wahlgang stimmte eine knappe Mehrheit der Delegierten für Ypsilanti, der vor dem Parteitag eigentlich schlechtere Chancen als ihrem Gegenkandidaten eingeräumt worden waren.

"Ich bin die wirkliche Alternative zu Koch", sagte Ypsilanti selbstbewusst nach der Wahl. Schon in ihrer kämpferischen Vorstellungsrede hatte sie stark auf diese Strategie gesetzt. "Es muss um den Kontrast zwischen uns und der Koch-CDU gehen", sagte sie. Bewusst setzte Ypsilanti dabei vor allem auf das Thema soziale Gerechtigkeit. "Die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt", rief sie den Delegierten zu und sprach damit sicher vor allem den Parteilinken aus dem Herzen.

Immer wieder verwob Ypsilanti auch ihre eigene Biographie mit ihren politischen Überzeugungen. Als Kind einer Arbeiterfamilie wisse sie, was Angst um den Arbeitsplatz heiße. Auch wisse sie, was es heiße, als Frau Politik, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Ypsilanti lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn zusammen mit einer befreundeten Familie mit zwei Kindern in einer Hausgemeinschaft.

Partei war gespalten

Im Vorfeld des Parteitags hatte Walter, der als pragmatisch und eher wirtschaftsnah eingeschätzt wird, als Favorit gegolten. Denn bei Abstimmungen in 26 Unterbezirken hatte er 18 für sich entschieden. Doch die Voten waren nicht bindend für die Delegierten. Wie gespalten die Partei war, offenbarte dann das Ergebnis beim Parteitag: Im ersten Wahlgang stimmten jeweils 172 Delegierte für beide Kandidaten. Im zweiten Anlauf erhielt Ypsilanti dann 175 Stimmen; Walter kam auf 165. Ypsilanti kündigte nach ihrer Wahl an, nun um die Unterstützung der Walter-Wähler zu werben. Der Partei sei klar, dass sie nur eine Chance habe, wenn sie sich hinter der Spitzenkandidatin zusammenfinde.

Ypsilanti wird nun die neue starke Frau in der hessischen SPD. Neben ihrem Amt als Landesvorsitzende, in dem sie am Samstag bestätigt wurde, soll sie auch den Fraktionsvorsitz von Walter übernehmen. Den Landesvorsitz hatte sie nach der verlorenen Landtagswahl 2003 übernommen, bei der die SPD mit 29,1 Prozent der Stimmen ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte in Hessen erzielt hatte. Die CDU unter Ministerpräsident Koch errang die absolute Mehrheit.

Die Herausforderung: Wahlkampf gegen Koch

Die gebürtige Rüsselsheimerin Ypsilanti arbeitete nach dem Abitur zunächst als Sekretärin und Stewardess, bis sie 1984 ein Spanisch-Studium in Madrid begann. An der Universität Frankfurt am Main studierte sie dann noch Soziologie und wurde nach ihrem Diplom schließlich Referatsleiterin in der hessischen Staatskanzlei unter dem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Hans Eichel.

In der hessischen SPD arbeitete sie sich seit ihrem Parteieintritt 1986 kontinuierlich nach oben: Von 1991 bis 1993 war sie Juso-Landesvorsitzende, im April 1999 zog sie in den Wiesbadener Landtag ein und rückte zwei Jahre später auch in den Landesvorstand auf. Seit 2005 gehört Ypsilanti auch dem SPD-Bundesvorstand an. Ihre größte politische Herausforderung steht ihr nun im Wahlkampf gegen Koch bevor, der bislang als Favorit in dieser Auseinandersetzung gilt. Aber mit Außenseiter-Positionen hat Ypsilanti schon im parteiinternen Wahlkampf gute Erfahrungen gemacht. (Von Carsten Hauptmeier, AFP)

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