Politik : Heute - Georg Gafron (Kommentar)

Georg Gafron

Die Regierung von Gerhard Schröder ist in Schwierigkeiten. Für seinen Sparkurs findet der Bundeskanzler bei den Wählerinnen und Wählern kaum Zustimmung. Das Hauptargument gegen ihn lautet, er missachte die soziale Gerechtigkeit. Was kann er jetzt noch tun, um Erfolg zu haben? Kann und soll er überhaupt noch Erfolg haben?

Stimmt, Bundeskanzler Gerhard Schröder kann einem leid tun. Was immer er auch anfasst, die öffentliche Meinung nimmt es ihm übel. Dabei weiß in Wahrheit jeder, dass unser Land um schmerzhafte Einschnitte nicht herumkommt. Der Tanker Deutschland bedarf einer Generalüberholung, wenn er in der rauhen See der Globalisierung weiter Kurs halten will. Insofern liegt in Schröders Politik auch keine "Missachtung der sozialen Gerechtigkeit". Die satte und fette Bundesrepublik ist nun mal nicht der Maßstab für den Rest der Welt. Wir leben über unsere Verhältnisse, und wenn wir so weitermachen, sind am Ende alle arm. Warum nur will Schröders Logik keiner folgen? Gar ein Vermittlungsproblem? Haben sich die Medien, die im Bundestag-Wahlkampf doch so geschlossen an Schröders Seite standen, plötzlich in einer Laune der Beliebigkeit gegen ihn verschworen? Hat sich eine Phalanx der Besitzstandswahrer und Nörgler gebildet, die zäh und verbissen die Modernisierung unseres Landes verhindern will? Der Kanzler - ein einsamer Kämpfer auf weiter Flur, permanent missverstanden und unfair behandelt? Wenn es nur so einfach wäre.

Das Vermittlungsproblem ist in Wahrheit Schröder selbst. Ein Kanzler darf kein Moderator sein, auch in der Demokratie bedarf es eines Leitwolfs mit Kompetenz und Konsequenz, vor allem aber mit hoher Glaubwürdigkeit. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein Regierungschef gerade hier seinen Bonus so schnell verspielt. Regieren ist kein Job zum Spaßhaben, sondern hartes Handwerk. Gerhard Schröder ist am eigenen Profil gescheitert. Er bedarf keiner Gerechtigkeit, denn Ungerechtigkeit ist ihm bisher nicht widerfahren. Auf sein Gesellenstück wartet Deutschland weiter vergeblich.Der Autor ist Geschäftsführer des Berliner Privatradios "Hundert,6" und des Fernsehsenders "TV.BERLIN".

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