HEUTE MIT : Rebellen reden von 10 000 Toten in Libyen

55 000 Menschen sollen seit Beginn der Kämpfe verletzt worden sein / UN-Hilfskonvoi überquert Grenze

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Seit Beginn der Kämpfe im nordafrikanischen Libyen sind nach Rebellenangaben etwa 10 000 Menschen ums Leben gekommen. Bis zu 55 000 weitere seien seither verletzt worden, sagte Italiens Außenminister Franco Frattini am Dienstag, der sich dabei auf Informationen des Nationalen Übergangsrats der Aufständischen berief. Eine Bestätigung dieser hohen Opferzahlen aus anderen, neutralen Quellen gibt es allerdings bisher nicht. Die Nato flog wieder Luftangriffe auf Kommandostellungen der Armee von Machthaber Muammar al Gaddafi.

Frattini bot dem Vorsitzenden des Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, bei einem Besuch in Rom zusätzliche Hilfe durch die Versorgung von Verletzten in italienischen Krankenhäusern an. Nach Frattinis Angaben soll zudem Anfang Mai beim nächsten Treffen der Libyen-Kontaktgruppe in Rom der mögliche Verkauf von Öl durch die Rebellen auf der Tagesordnung stehen.

Erstmals seit Ausbruch der Gewalt in Libyen können die Vereinten Nationen Hilfsgüter auf dem Landweg in den umkämpften Westen des Landes liefern. Ein Lastwagenkonvoi mit Lebensmitteln für 50 000 Menschen habe von Tunesien aus die Grenze nach Libyen überquert, teilte das Welternährungsprogramm (WFP) in Genf mit. Deutschland stockt seine humanitäre Hilfe für Libyen um zwei Millionen Euro auf sieben Millionen Euro auf, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Großbritannien gab bekannt, dass es die libyschen Rebellen durch die Entsendung von Militärexperten unterstützen will. Die Nato erhob schwere Vorwürfe gegen die Truppen Gaddafis. Die Soldaten des Regimes würden sich als Zivilisten verkleidet in der Nähe von Krankenhäusern verstecken und von Moscheedächern schießen. Frauen und Kinder würden als Schutzschilde missbraucht, sagte der Kommandeur des Libyen-Einsatzes, General Charles Bouchard, dem kanadischen Fernsehsender CBC.

Bei einem Besuch in Kairo forderte Außenminister Guido Westerwelle die ägyptische Regierung auf, den Weg zur Demokratie weiter zu beschreiten. „Hier in Ägypten als Schlüsselland wird sich entscheiden, ob dem arabischen Frühling ein Sommer folgt oder ob es ein Zurück in einen Winter gibt“, sagte Westerwelle nach einem Treffen mit Ägyptens Außenminister Nabil al Araby.

Unterdessen beschloss die syrische Regierung, den seit 1963 geltenden Ausnahmezustand aufzuheben. Das Kabinett habe einen entsprechenden Gesetzesentwurf gebilligt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana. In Syrien gibt es seit vier Wochen massive Proteste gegen Staatschef Baschar al Assad, bei denen nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten mindestens 200 Menschen ums Leben kamen. mit dpa/AFP

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