Politik : Heyes letzte Dienstreise per Luxusliner

Moritz Döbler

New York/Berlin - Uwe-Karsten Heye, Bundeskanzler Gerhard Schröders langjähriger Berater, steht kurz vor dem Wechsel von seinem Diplomatenposten in New York in den Ruhestand in Deutschland und hat große Pläne. Der 64-Jährige will mit Sponsoren ein Forschungsinstitut für Lösungen der demografischen Probleme Deutschlands („Methusalem-Komplex“) gründen und arbeitet an einem neuen Buch.

Seine letzte Dienstreise tritt er nicht wie üblich per Flugzeug an, sondern auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt, der „Queen Mary 2“. Sechs Tage dauert die Luxus-Reise von New York nach Southampton. „Mit meiner Frau gemeinsam hatte ich das Gefühl, ich möchte das Kapitel nicht einfach abhaken und einen Direktflug nach Berlin besteigen, sondern die Seele mitnehmen“, sagt Heye.

Ab August wolle er wieder in Berlin sein, sagt Heye, der ein Häuschen aus dem 17. Jahrhundert in Potsdam besitzt. Doch an eine tragende Rolle im womöglich letzten Wahlkampf Schröders denkt er offenbar nicht. Für sein geplantes Institut sei er im Gespräch mit möglichen Sponsoren aus der Privatwirtschaft. „Das soll eine Art Thinktank werden. Es ist wichtig, einen Diskurs über die Überalterung in die Gesellschaft hineinzutragen“, sagt Heye, der frühere Redenschreiber von Willy Brandt und langjährige Journalist. „Es gibt keinen Zauber, durch den sich diese Entwicklung verändern lässt. Die Fragen sind alle gestellt, aber die Antworten gibt es nicht.“

Auch sein anderes Projekt dreht sich letztlich ums Altern: Heye plant ein zweites Buch, diesmal nicht wie „Vom Glück nur ein Schatten“ über das Verhältnis zu seinem Vater, sondern jenes zu seinem Sohn aus zweiter Ehe, der jetzt zweieinhalb Jahre alt ist. „Ich bin mit über 60 noch einmal Vater geworden und will aufschreiben, was mir da so durch den Kopf geht.“

Eigentlich wollte Heye, der sein Amt als Schröders Sprecher nach dessen Wiederwahl 2002 an Bela Anda übergab und im Juli 2003 Generalkonsul in New York wurde, noch ein Jahr länger auf Posten bleiben. Da er in diesem Jahr – im Oktober – 65 Jahre alt wird, muss er nach den Regeln des Auswärtigen Amtes aber zum 1. Juli in den Ruhestand gehen. „Drei Jahre wäre sicher gut gewesen. Aber es ist, wie es ist. Das ist jetzt wie ein geschenktes Jahr.“

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