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Der Geist von Verona – Berlin und Rom wollen sich versöhnen. In die Oper will Berlusconi aber nicht mit Schröder

Andrea Dernbach

DEUTSCH-ITALIENISCHES TREFFEN IN VERONA

„Supergipfel in Verona für ein deutsch-italienisches Tauwetter“ titelte die römische Zeitung „La Repubblica“ am Freitag und widmet dem bevorstehenden Versöhnungstreffen zwischen dem Berliner und dem römischen Regierungschef eine ganze Seite. Wer daran glaubt, der kennt Stefano Stefani noch immer nicht. Der frühere Staatssekretär für Tourismus, der die Eiszeit zwischen den alten Freunden mit seinen Tiraden gegen deutsche Touristen im Juli erst richtig anheizte („supernationalistische Blonde, die lärmend unsere Strände überfallen“) zeigt sich auch nach dem erzwungenen Rücktritt ungebrochen. Kurz vor dem Treffen von Schröder und Berlusconi in Verona ist Stefani aus der Versenkung wieder aufgetaucht – mit einem neuen markigen Interview. Es werde Zeit, tönt Stefani, „über Schröders Intelligenz zu reden“.

Wie der deutsche Kanzler die Ferien in Italien abzusagen, das sei ja so, „als ob ich, ein italienischer Bürger, wegen der Äußerungen von Schulz kein deutsches Auto mehr kaufen oder unsere Zeitung kein Papier mehr für die Rotation in Deutschland kaufen würde.“ Das genau werde man aber schön bleiben lassen, „denn wir sind intelligenter.“

Das kann man zumindest von der genannten Zeitung behaupten. Stefanis neuester Ausfall erschien diesmal nicht in „La Padania“, dem Zentralorgan der rechtspopulistischen Lega Nord. Dort hatte Stefani, damals noch im römischen Wirtschaftsministerium der für den Tourismus zuständige Staatssekretär, seinen Ausfall gegen die Deutschen im Allgemeinen und den deutschen Europa-Abgeordneten Martin Schulz im Besonderen veröffentlicht. Schulz hatte den neuen EU-Ratspräsidenten Berlusconi bei dessen erstem Auftritt im Straßburger Parlament mit kritischen Fragen verärgert, was den dazu hinriss, Schulz zur Traumbesetzung für einen KZ-Wächter zu erklären, und damit Phase eins der deutsch-italienischen Eiszeit auslöste. Die Chefetage von „La Padania“ bekam danach eine Menge Ärger in der eigenen Partei und hat offenbar gelernt.

An diesem Wochenende, bei Bizets „Carmen“ in der Arena von Verona, einem Abendessen und dem Gipfeltreffen am Samstag soll nun alles wieder gut werden. Die Idee dazu stammte ohnehin von einem, der dem Kanzler politisch näher steht: dem Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi. Er führte 1996 als erster italienischer Premier eine Mitte-Links-Regierung – nachdem die Lega Nord die erste Regierung Berlusconi nach wenigen Monaten gesprengt hatte.

Schröder zeigte sich denn auch bei seiner Ankunft in Verona am Freitag kühl, aber versöhnlich: „Es gab eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Italien. Das soll auch nicht kleiner gemacht werden“, sagte er. Die deutsch-italienischen Beziehungen seien von dem Krach aber nicht getrübt. Man müsse sich ja nicht lieben, „es reicht, wenn man sich respektiert“.

Wirkliche Probleme scheint derzeit der linksdemokratische Bürgermeister von Verona zu haben. Die Polizei in der Stadt, an Touristenströme gewöhnt, nicht aber an einen VIP-Auftritt wie an diesem Wochenende, musste großstädtische Sicherheitsvorkehrungen treffen. Für die Demonstranten, die sich nach Recherchen von „La Repubblica“ lediglich mit Plakaten gegen Berlusconi bewaffnet haben („Lach nur, du Clown“), hat die Stadtverwaltung das Gebiet um die Arena weiträumig gesperrt.

Vor massiven Protesten hatte wohl auch Berlusconi Angst. Der Premier sagte den Opernbesuch mit Schröder und Prodi in letzter Minute ab: Er erwarte „Provokateure“ und wolle „nicht, dass irgendetwas dieses Ereignis stört“. Vor den „girontondini“, den Teilnehmern der Ringelreihen gegen Berlusconi, hatte schon der Regisseur der Carmen-Aufführung, Franco Zeffirelli, gewarnt. Bloß fernhalten sollten die sich, die „streunenden Katzen“. Womöglich alles ohne Not: Die Katzen winken nämlich ab. Die Sprecherin von Veronas Sozialzentrum reagierte locker auf die Frage, wie viele denn kommen werden: „Na, wohl die üblichen vier Nasen.“

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