Hilfe für Assad : Russland erwägt Einsatz von Bodentruppen in Syrien

Während die USA offen sind für eine Zusammenarbeit mit Russland zur Beilegung des Syrien-Konflikts, geht Moskau schon einen Schritt weiter: Der Einsatz von Bodentruppen werde erwogen, wenn Assad darum bitte.

Kampf um die syrische Grenzstadt Kobane.
Kampf um die syrische Grenzstadt Kobane.Foto: dpa/EPA

Russland schließt eine Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg mit Bodentruppen an der Seite von Präsident Baschar al Assad nicht aus. Sollte die Bitte um Entsendung von Truppen aus Syrien kommen, werde dies erwogen, sagte der Sprecher der russischen Regierung, Dmitri Peskow, am Freitag in Moskau. "Gegenwärtig ist es aber schwer, hypothetisch zu sprechen", ergänzte er. Peskow machte zunächst keine näheren Angaben.

Russland unterstützt Assad bereits mit Waffenlieferungen. Die Regierungstruppen sind seit Ausbruch der Aufstände 2011 zunehmend in die Defensive geraten. Zum stärksten Gegner von Assad hat sich die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) entwickelt. Syriens Außenminister Walid al Mualem hatte am Vortag erklärt, sollten russische Truppen nötig sein, werde man sie anfordern. Gegenwärtig sei das aber nicht der Fall.

Auch die USA bekämpfen den IS in Syrien und im Irak mit Luftangriffen, schließen den Einsatz von Bodentruppen aber aus. Die Amerikaner lehnen eine Zusammenarbeit mit Assad ab. Nachhaltige Erfolge hat der US-Einsatz bislang kaum gebracht. Obwohl kurdische Milizen Geländegewinne im Norden des Landes erzielen konnten, bleibt der IS die dominierende Kraft neben den Truppen Assads. Angesichts dieser Entwicklung weichte zuletzt die einheitliche westliche Front gegen Assad auf. Spanien und Österreich etwa schlugen Verhandlungen mit den syrischen Präsidenten vor.

Auch in den USA ist Bewegung in der Frage internationaler Zusammenarbeit bei der Lösung des Konflikts gekommen. Die US-Regierung sei offen für militärtaktische Gespräche mit Russland, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Solche Gespräche könnten nützlich sein, um Probleme und Zwischenfälle zu vermeiden. Zudem würden es die USA begrüßen, wenn Russland einen konstruktiven Beitrag zum Kampf gegen die Islamisten-Miliz leiste. Auch Deutschland vertritt diese Linie. "Wir würden uns wünschen, dass Russland sich in einem abgestimmten Format auch am Kampf gegen IS beteiligt", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Aus Sicht von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen könnte die UN-Vollversammlung Ende des Monats Gelegenheit bieten, ein gemeinsamen Vorgehens abzustimmen. Voraussetzung für die Beendigung der Krisen in Syrien und im Irak sei ein Minimalkonsens darüber, "wen unterstützen und wen bekämpfen", sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Auf den Gipfel der Vereinten Nationen im September sei "große Hoffnung und Erwartung" gerichtet, zu diesen Minimalkonsens zu kommen. Bevor man "mit den notwendigen Mitteln in Syrien und Irak operativ tätig wird", müsse dieser politische Konsens hergestellt werden, sagte sie. (rtr)

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