Politik : Hilfsaktion für die Hungernden in Zaire kommt in Gang

Rebellen und UNO über Notversorgung einig Nairobi(Tsp).Hunderttausende Flüchtlinge, die im Osten Zaires unter Nahrungsmangel und Seuchen leiden, können auf baldige Hilfe hoffen.Die UNO und die Rebellen haben eine Vereinbarung über die umgehende Versorgung getroffen.Inzwischen nahm auch die Bildung einer multinationalen Truppe zur Absicherung der Hilfslieferungen konkretere Formen an.Auf dem Welternährungsgipfel in Rom sagte UNO-Generalsekretär Boutros-Ghali, daß die UNO innerhalb weniger Tage 10.000 bis 12.000 Mann entsenden könne.Er forderte internationale Solidarität für den Einsatz.Daran will sich die Bundesrepublik nicht militärisch beteiligen, obwohl auch in Deutschland Stimmen für ein Engagement laut wurden. Ghali sprach von einem möglichen "Genozid durch Verhungern".Das US-Verteidigungsministerium entsandte ein 40 Mann starkes Expertenteam nach Ost-Zaire.Inoffiziell hieß es aus Washington, eine US-Beteiligung an der Schutztruppe sei wahrscheinlich.Die US-Regierung will nach einem Bericht der "Washington Post" vom Mittwoch genauer wissen, was eine internationale Schutztruppe wo leisten soll und wie sich der spätere Abzug gestalten werde.Der französische Entwicklungshilfeminister Godfrain sagte, eine US-Beteiligung wäre "ein Erfolg für Frankreich".Kanada könne den Einsatz kommandieren, so Godfrain. Die UNO will dem kanadischen General Maurice Baril das Kommando übertragen.Kanadas Premier Chretien betonte, sein Land sei vorbereitet, 48 Stunden nach einem UNO-Auftrag mit 350 Soldaten vor Ort zu sein."Ich dränge den Sicherheitsrat, eine Resolution zu verabschieden", sagte Chretien.Zehn Staaten hätten bereits ihre Teilnahme zugesagt.Er deutete aber an, daß das Oberkommando Kanadas noch keine beschlossene Sache sei.Die USA haben noch nie ihre Soldaten dem Oberkommando eines anderen Staates überantwortet."Unverzügliche Hilfe" forderte der Papst; "keine Unsicherheit, keine Vorbehalte, kein Kalkül" könnten eine weitere Verzögerung rechtfertigen.Für eine Militärintervention sprach sich das IKRK aus.Deutschland will sich nach Angaben eines Bonner Regierungssprechers auf humanitäre Hilfe konzentrieren, aber keine Soldaten oder militärisches Gerät schicken.Das THW, bereits 1994 in Goma im Einsatz, steht bereit.Der pfälzische CDU-Chef Gerster forderte einen Bundeswehr-Einsatz und warf Bonn vor, zu zurückhaltend zu sein.Belgien als Ex-Kolonialmacht schließt eine Entsendung von Militär aus, bietet aber Logistik.Die EU setzt weiter auf eine internationale Konferenz unter dem Vorsitz von UNO und OAU zur Koordinierung der Hilfe. Nach der zwischen UNO und Rebellenchef Kabila getroffenen Vereinbarung dürfen Hilfsorganisationen über das von den Rebellen gehaltene Gebiet Nahrungsmittel und Medikamente zu den Flüchtlingen bringen.Wegen Artilleriebeschuß unterbrach die UNO die Hilfslieferungen vorübergehend.

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