Politik : Hilfsorganisationen beginnen mit der Verteilung von Nahrungsmitteln

Hilfsorganisationen in Ost-Timor haben am Dienstag erstmals große Mengen Nahrungsmittel in der Hauptstadt Dili verteilt. Zugleich kündigte Ost-Timors geistliches Oberhaupt, Bischof Carlos Belo, für Mittwoch seine Rückkehr in die künftig unabhängige Region an. Er wäre der erste Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, der nach der Gewalt vom September zurückkehrt. Am Sitz der Vereinten Nationen in New York wurde erwartet, dass Generalsekretär Kofi Annan dem Sicherheitsrat die Entsendung von 9000 UN-Soldaten, 1300 Polizisten und zivilen Verwaltungskräften vorschlägt.

Belo sagte am Dienstag in Darwin in Australien, möglicherweise werde er Mittwoch nach Dili weiterreisen. Belo war am 7. September über Australien nach Portugal geflohen, nachdem bewaffnete, zu Indonesien stehende Banden seine Residenz in Dili zerstört hatten. Nach dem Votum für die Unabhängigkeit Ost-Timors von Indonesien Ende August waren Tausende Menschen ermordet und vertrieben worden.

In Dili gaben Hilfsorganisationen rund 700 Tonnen Reis an zurückgekehrte Bewohner aus, die Dili verlassen hatten. Es gebe in Dili zwar keine Hungersnot, allerdings seien die Menschen nicht ausreichend versorgt, sagte eine Mitarbeiterin des Internationalen Kommitees vom Roten Kreuz (IKRK). Es seien 14 000 Säcke mit jeweils 50 Kilogramm Reis ausgegeben worden. Ein Sack stelle die Ernährung einer fünfköpfigen Familie 25 Tage lang sicher. Nach UN-Angaben sind bislang weniger als 100 000 Flüchtlinge in die von der internationalen Schutztruppe Interfet gesicherten Städte zurückgekehrt.

Für die Unabhängigkeit kämpfende Rebellen lehnten unterdessen ihre Entwaffnung so lange ab, bis der letzte indonesische Soldat Ost-Timor verlassen hat. Der Vize-Kommandeur der für die Unabhängigkeit kämpfenden Falintil-Rebellen, Matan Ruak, sagte, seine Kämpfer müssten für den Schutz der Zivilbevölkerung sorgen. Ein Interfet-Sprecher sagte, die Truppe wolle in Verhandlungen mit den Rebellen deren Entwaffnung erreichen. Derzeit sei den Falintil in bestimmten Gebieten das Waffentragen erlaubt.

Die indonesische Regierung kündigte an, knapp die Hälfte der über 200 000 nach West-Timor geflüchteten Ost-Timorer in andere Teile Indonesiens umsiedeln zu wollen. Dies werde auf freiwilliger Basis geschehen, sagte ein Regierungssprecher. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) kritisierte in Genf das indonesische Vorgehen. Die UN würden das Ergebnis der jetzt von Indonesien begonnenen Registrierung der Flüchtlinge für das Umsiedlungsprogramm nicht anerkennen, sagte ein UNHCR-Sprecher. Es sei unwahrscheinlich, dass die verängstigten Flüchtlinge ihren Willen frei ausdrückten. Nach Angaben der UN wollen 60 Prozent der Flüchtlinge in West-Timor in den künftig unabhängigen Ostteil zurückkehren.

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