Politik : Hilfsorganisationen wollen schwarze Schafe bestrafen

Berlin/Köln - Nach der Vertrauenskrise bei Unicef haben mehrere Hilfsorganisationen am Montag in Berlin einen Neunpunkteplan für mehr Transparenz und Kontrolle vorgestellt. „Unsere Währung ist Vertrauen, und wenn wir das verlieren, laufen wir Gefahr, dass sich unsere Unterstützer von uns abwenden“, sagte Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Das aber wäre fatal, denn von unserer Arbeit hängen Menschenleben ab.“ Die Organisationen – darunter auch Unicef – sprechen sich für eine Stärkung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) aus, von dem das Spendensiegel vergeben wird.

Außerdem soll die Hilfsarbeit stärker an einheitlichen Standards gemessen werden. „Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht“, sagte Preuß. Vor allem bei kleineren Organisationen werde die Wirksamkeit von Hilfsprojekten unzureichend überprüft. Der Neunpunkteplan betont aber auch, dass keine Organisation ohne Werbung auskommt. „Unredliche Versprechen wie etwa eine 100-prozentige Mittelweiterleitung in die Projekte sind kritisch zu hinterfragen“, heißt es. Über den Plan hinaus erwägen die Organisationen einen Verhaltenskodex, der auch Sanktionen für schwarze Schafe vorsehen soll. Denkbar sei, unseriösen Spendensammlern die Gemeinnützigkeit abzuerkennen.

Die Welthungerhilfe und die Kindernothilfe haben unter der Unicef-Krise bisher nicht gelitten, sagte Preuß. Bei Unicef sind die Spendeneinnahmen um 20 Prozent gesunken. Die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks hatte wegen falscher Angaben und Verschleierung das Spendensiegel verloren. Die Führungsriege ist inzwischen zurückgetreten, zunächst die Ehrenvorsitzende Heide Simonis, später der umstrittene Geschäftsführer Dieter Garlichs und schließlich der gesamte Vorstand. Am Donnerstag soll ein neuer Vorstand gewählt werden. dpa/Tsp

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