Hilfspaket : Wie die FDP schon wieder den Schwarzen Peter gezogen hat

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Wenn zwei eine Koalition eingehen, dann darf in einem solchen Bündnis wohl jeder vom anderen erwarten, dass man sich aufeinander verlassen kann. Insbesondere, wenn es mal ernst wird. Am Donnerstagabend war es ernst, sehr ernst sogar. Schwarz-Gelb musste befürchten, dass tags drauf im Plenum mehr als 19 aus ihren Reihen gegen das Griechen- Hilfspaket stimmen würden. Was wegen der damit verfehlten Kanzlermehrheit unweigerlich zum Bruch der Koalition geführt hätte. Zwei Bündnispartner, sollte man meinen, meistern eine so ernste Situation gemeinsam. Das zumindest nahm man bei der FDP da noch an. Doch es kam anders. Nachdem Union und FDP schon seit Stunden getrennt über den Wortlaut ihres Antrages zur Hellas-Hilfe debattiert und auch immer wieder Änderungswünsche ausgetauscht hatten, unterbrach die FDP ihre Sitzung um halb elf Uhr abends. Ein letzter Korrekturwunsch sollte dem Partner übermittelt werden, eine Petitesse, nicht mehr.

Doch der war gar nicht mehr da. Erstaunt mussten die Liberalen mit ansehen, wie sich neben dem Sitzungssaal der Union im Reichstag die Fahrstuhltür schloss: Der Bündnispartner hatte sich auf den Heimweg begeben. Ohne ein Wort zu verlieren. Man kann sich die Wut der FDP-Leute vorstellen. Schließlich war man diese Woche schon mal, in der Atomsache, als fünftes Rad am Wagen vorgeführt worden. Richtig bitter wurde die Sache allerdings erst später. Als sich nämlich bei der internen Probeabstimmung herausstellte, dass sechs Liberale gegen die Griechenhilfe stimmen und sich zwei enthalten wollen. Zusammen mit acht Gegenstimmen und vier Enthaltungen der Union macht das 20 fehlende Stimmen – eine über der Koalitionsmehrheit. Philipp Rösler und Rainer Brüderle beknieten ihre Abweichler daraufhin intensiv, die Koalition am Freitag nicht zu sprengen. Ganz allein. Denn der Koalitionspartner, der war ja längst zu Hause angekommen. Offenbar ohne sich um Mehrheiten zu scheren. asi

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