Politik : Hilft Moskau serbischen Tätern?

Elke Windisch

Moskau - Nach Medienberichten soll Russland als Fluchtburg für Kriegsverbrecher aus dem ehemaligen Jugoslawien dienen, nach denen der Internationale Gerichtshof in Den Haag seit Jahren sucht. Belgrader Medien hatten zu Wochenbeginn berichtet, unter falschem Namen und teilweise sogar unter dem Schutz der Geheimdienste würden sich in Russland vor allem die Verantwortlichen für den Völkermord in Srebrenica verstecken. Unter ihnen habe sich auch Gojko Jankovic befunden, der Anfang der neunziger Jahre Polizeichef der Stadt Foca war und sich – offenbar von Russland aus – kürzlich dem Tribunal stellte. Das jedenfalls vermutet Dragan Cavic, der gegenwärtige Präsident der Republika Srpska – der Teilrepublik der bosnischen Serben.

In Srebrenica, einer Kleinstadt im muslimischen Teil Bosniens, hatten serbische Milizen im Juni 1995 fast die gesamte männliche Bevölkerung umgebracht, rund 8000 Menschen. Dort stationierte niederländische Blauhelme sahen dem Morden weitgehend tatenlos zu. Die UN ersuchten Moskau am Dienstagabend nun offiziell, diese Pressemeldungen zu überprüfen. Die Vereinten Nationen, so eine Erklärung des Hohen Kommissars für Bosnien-Herzegowina, Lord Paddy Ashdown, seien überzeugt, dass sich die russische Regierung als Mitunterzeichner des Daytoner Friedensabkommens ihrer Verantwortung bewusst ist und diesen Hinweisen mit der gebührenden Aufmerksamkeit nachgeht.

Nicht einmal Moskaus Bosnien-Botschafter Alexander Grischtschenko wollte im Gespräch mit Radio Echo Moskwy ausschließen, dass die Behauptungen stimmen. „Das offizielle Moskau“, sagte der Diplomat, könne dafür jedoch nicht verantwortlich gemacht werden.

Dennoch wollten sich bislang weder die Sprecher des Inlandsgeheimdienstes FSB noch das russische Außenministerium zu den Vorwürfen äußern. Dessen Sprecher vertröstete Moskauer Medien auf eine offizielle Erklärung, die dazu vorbereitet werde.

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