Hindukusch : Neue Strategie für Afghanistan

Kurswechsel bei der Nato in Afghanistan: Am Hindukusch soll künftig eine neue Strategie gelten, die Mittel und Ziele des Einsatzes klar definiert und ein absehbares Ende des 2002 gestarteten Engagements mit mittlerweile 55.000 Nato-Soldaten bringen könnte.

Straßburg - Zielmarken sollen dafür in genauen Abständen kontrolliert und Mittel angepasst werden. Afghanistan sei für die neue Nato die „Bewährungsprobe“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nur bei einem gezielten gemeinsamen Vorgehen habe das Bündnis eine Chance im 21. Jahrhundert.

Der Einsatz am Hindukusch soll deshalb geprägt sein von einem Dreiklang von Militäraktionen, zivilem Wiederaufbau und „good governance“ (transparente und effektive Regierungsführung). Durch massive Hilfen beim Aufbau der afghanischen Sicherheitsbehörden soll es möglich werden, in den nächsten Jahren die internationalen Truppen schrittweise zurückzuziehen. Der Einsatz soll die „Blaupause“ für die künftige Arbeit des Bündnisses bilden und in einem neuen strategischen Konzept festgehalten werden. Die „Afghanisierung“ des Landes müsse vorangetrieben werden, unterstrichen Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Ziel sei es, dass Afghanistan künftig selbst für seine Sicherheit sorgen und dafür geradestehen könne, dass von dort aus keine terroristischen Gefahren mehr ausgehen.

US-Präsident Barack Obama nannte die Zusagen der Nato-Partner „ermutigend“. Die Entsendung von 5000 zusätzlichen Soldaten sowie weitere zivile und finanzielle Hilfen seien ein „großartiger Fortschritt“. Es gebe einen Konsens, dass das Terrornetzwerk Al Qaida alle Nato- Mitglieder mit Angriffen bedrohe. Notwendig seien in der Zukunft allerdings weitere Anstrengungen und Mittel. Obama drängte die europäischen Partner aber nicht zu zusätzlichen Truppen für Afghanistan.

Das Isaf-Kontingent der Bundeswehr wurde zuletzt im bis Ende 2009 geltenden Mandat um 1000 auf 4500 Soldaten aufgestockt. In den kommenden Monaten will Deutschland 600 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch entsenden. 200 sollen die anstehenden Präsidentschaftswahlen absichern, 400 die schnelle Isaf-Eingreiftruppe QRF (Quick Reaction Force) verstärken. ddp/dpa

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben