Politik : Hinter den Erwartungen

Can Merey (dpa)

Islamabad - Nicht nur die pakistanische Militärkapelle produzierte am Samstag Misstöne. Auch die Pressekonferenz von US-Präsident George W. Bush mit seinem pakistanischen Amtskollegen Pervez Musharraf in Islamabad war nicht nur harmonisch: Bush drängte Musharraf zu mehr Demokratie, machte aber – zumindest offiziell – keine konkreten Zusagen. Mit Blick auf den vorhergegangenen Indienaufenthalt des US-Präsidenten dürfte sich Musharraf mehr erhofft haben. Denn durch das zivile Atomabkommen mit den USA hat das Nachbarland eine enorme Aufwertung durch Bush auf der Weltbühne erfahren.

Auf eine solche Nuklearvereinbarung kann Pakistan nicht hoffen. Bush sagte: „Pakistan und Indien sind verschiedene Länder mit verschiedenen Bedürfnissen und verschiedener Geschichte. Die strategische Partnerschaft zwischen den USA und Pakistan beginne „mit enger Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror“. „Teil meiner Mission heute war festzustellen, ob der Präsident (Musharraf) noch so engagiert wie früher dabei ist, diese Terroristen vor Gericht zu bringen“, sagte Bush. „Er ist es.“

Langfristig seien Freiheit und Demokratie die besten Mittel gegen Terror, so Bush. Da sieht der US-Präsident bei Pakistan, das am Samstag Anti-Bush-Demonstrationen landesweit durch ein striktes Versammlungsverbot verhinderte, offenbar Nachhilfebedarf. „Amerika wird weiter mit Pakistan daran arbeiten, die Basis für Demokratie zu schaffen“, kündigte er an. Die für kommendes Jahr geplanten Wahlen seien eine große Chance. „Der Präsident versteht, dass diese Wahlen offen und ehrlich sein müssen“, betonte Bush. Musharraf hatte sich als Oberbefehlshaber der Armee 1999 an die Macht geputscht und im Jahr 2002 versucht, seiner Herrschaft mit einem umstrittenen Referendum einen demokratischen Anstrich zu geben. Entgegen früherer Zusagen an die Opposition hängte Musharraf seine Uniform nie an den Nagel, er ist noch Armeechef.

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