Politik : Hinter den Linden: 20 * C + M + B + 01

Stephan-Andreas Casdorff

Wo gesungen wird, da lass dich ruhig nieder. Das gilt, auch wenn man nicht die beste Stimme hat - denn böse Menschen haben keine Lieder. Von den Sozialdemokraten weiß man, dass sie viele Lieder haben, und in jedem Falle ausreichend Stimmen. Bei mehreren hunderttausend Mitgliedern ... Und zum Nachweis der gutherzigen Gesinnung kam Gerhard Schröder der Besuch der Sternsinger im Kanzleramt in dieser Woche bestimmt ganz recht.

Es ist ein schöner Brauch, seit Jahrzehnten schon, dass sie auch zum Kanzler kommen. Diesmal waren es mehr als hundert Kinder aus allen 27 Bistümern. Ihnen wird dort Jahr für Jahr für das vorbildliche Engagement zugunsten der Armen der Welt gedankt. Zur Jahreswende 1999/2000 zum Beispiel kamen rund 58,3 Millionen Mark zusammen. Allerdings nicht allein im Kanzleramt ... Hiervon konnten mehr als 3500 Projekte für zwei Millionen Kinder in mehr als 100 Ländern in Not unterstützt werden. Damit, so es vermeldet das Kanzleramt mit Stolz, ist das Dreikönigssingen die erfolgreichste Kinderhilfsaktion der Welt.

Die Begegnung im Kanzleramt ist vorbei, aber die Lieder hallen nach im vormals realsozialistischen Herrschaftsraum. Beim Eintreffen des nun sozialdemokratischen Herrn gab es "Wir haben seinen Stern gesehen". Und neben dem Eingang zum Kabinettsaal steht der Segenswunsch 20 * C + M + B +01. Das ist Erinnerung und Mahnung in einem: Es sind die Anfangsbuchstaben des lateinischen Spruchs "Christus mansionem benedicat", Christus segne diese Wohnung. Erich Honecker ist ja auch raus. Und manche wollen den Kanzler schon leise singen gehört haben.

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