Politik : Hinter den Linden: Adlerverwirrung

Bernd Matthies

Post vom Bundestag ist immer ein erhebender Anblick. So schöne Briefköpfe! Spötter meinen zwar manchmal, die sähen ja aus wie vom Deutschen Geflügelzüchterverband, nur etwas mager - aber derlei staatszersetzenden Ulk über das Wappentier der Republik wollen wir hier selbstverständlich nicht mal ignorieren. Um so schöner, dass uns gestern gleich drei Abgeordnete, Ulrike Flach von der FDP und die Christdemokraten Katherina Reiche und Peter Hintze, gemeinsam einen Brief geschrieben haben. Doch was ist da los? Drei Adler im Dreieck, aber so unterschiedlich! Der Bürgerblock-Adler von Hintze und Flach asketisch und streng, wie aus dem alten Markstück kopiert, gewissermaßen der Stoiber unter den Raubvögeln; der CDU-Solist von Katherina Reiche dagegen eher eine Verkleinerung des Foster-Adlers aus dem Reichstag, rund und fluffig, von sehr femininer Ausstrahlung, einer, der die Maus vor dem Getötetwerden lieb um Entschuldigung bitten würde. Wir haben es also im Bundestag mit einer geschlechts- wie parteiübergreifenden Adlerverwirrung zu tun, die nach klaren Prinzipien verlangt: Wir schlagen für die finanzpolitischen Sprecher den Geier vor, für die Familienpolitiker den Storch. Die Leute von der Verteidigung hätten sich dann was ganz Besonderes verdient: einen dicken, runden Airbus. Aber den können sie wahrscheinlich wieder nicht bezahlen.

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