Politik : Hinter den Linden: Äußerste Sicherheit

Robert Birnbaum

Alle reden über Sicherheit. Der Bundesinnenminister, die Bundesoppositionsführer, Berufene und Unberufene. Und vor dem Kanzleramt markieren rot-weiße Stahlgitter-Absperrungen: Hier herrscht jetzt ganz viel Sicherheit. Die Sicherheit herrscht indes nicht durchgängig. Zum Beispiel als Radfahrer oder Fußgänger sollte man immer erst mal gucken, ob die Kanzler-Absperrung rundherum wirklich undurchlässig ist oder ob nicht doch eine Lücke offensteht, die den bequemen, mit großen Steinplatten gepflasterten Weg direkt vor dem Hauptportal freigibt.

Die Kriterien für Lücke oder nicht Lücke erschließen sich dem Draußenstehenden nicht sofort. Doch spricht einiges dafür, dass es mit An- und Abwesenheit wichtiger Personen zu tun hat. Genauer gesagt, einer Person. Am vorigen Montag früh zum Beispiel ist Gerhard Schröder in Bonn bei der Gewerkschaft IGBE - prompt steht der Absperrzaun in Berlin am Rande zusammengeschoben. Irgendjemand anderen von gehoben schutzwürdiger Bedeutung scheint das Kanzleramt nicht zu beherbergen. Jedenfalls nicht zu so früher Montagmorgenstunde, wo ganz Deutschland gähnt und darum wohl auch nicht allzu heftig regiert werden muss. Festzuhalten bleibt: Hier herrscht Sicherheit à la carte.

Dagegen bei der CDU - Sicherheit auf Dauer. Am vorigen Freitag bringen zwei Herren mit Zollstock an den Glastüren des Konrad-Adenauer-Hauses so eine Art weiße Zebrastreifen an, halbwegs zwischen Hüft- und Brusthöhe. Dahinter verbirgt sich keine High-Tech-Schurkenabwehr. Es ist nur so, dass der Eingang zur CDU-Zentrale aus einem Windfang besteht. Und der ist rundherum aus Glas: Erste Tür, Eingangsbereich, nächste Tür.

Die zweite Glastür hat sich als Falle entpuppt. Erst vorige Woche ist wieder ein älterer Herr, der bloß mal gucken wollte, gegen diese zweite Tür geknallt. Nasenbluten, Krankenwagen, potenzieller Wähler schwer geschockt. Aber ab jetzt wird alles anders. Jetzt fängt die CDU mit der Sicherheit an der eigenen Haustür an.

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