Politik : Hinter den Linden: Aller Ende ist Anfang

Robert von Rimscha

Zum Abschied kann man leise Servus sagen, donnernd die Tür zuschlagen, versöhnlich-sentimental werden oder sich seitenlang den angestauten Frust vieler Jahre von der Seele schreiben. Na ja, im Schröderschen Kabinett ist es eher der Frust vieler Monate. Schnelllebig wie die Hosenmode ist das Ministersein geworden. Nur um eine alte Tradition kommt keiner herum: Zum Abschied ist das Demissionsgesuch fällig. Ein letzter Brief, der mit "Lieber Gerd" oder "Sehr geehrter Herr Bundeskanzler" anhebt. Ein hochoffizieller Akt. Das Ersuchen um die eigene Entlassung.

Am Dienstag nachmittag, bei Andrea Fischer, las sich das so: Sie mache den Weg frei, "weil ich mir davon eine positive Wirkung für den Verbraucherschutz erwarte". Was der Kanzler da zu lesen bekam, war eine selten freundliche Formulierung. Anfang 1994, als Peter Gauweiler vom Amt des bayerischen Umweltministers zurücktrat, war der Ton härter. "Sie wissen, dass ich die mir ursprünglich angesonnenen Rücktrittsgründe ablehne", las Edmund Stoiber damals. Amtskollege Wolfgang Clement durfte vor einem Jahr dem Gesuch seines Finanzministers Heinz Schleußer entnehmen, dieser könne nicht zulassen, "dass mein Privatleben in die Öffentlichkeit gezerrt wird". Schröder selbst soll vor knapp zwei Jahren viele Minuten lang gleich wort- wie tatenlos vor dem kargen Zettel gesessen haben, der Oskar Lafontaines schroffes Farewell enthielt.

Da war der Kanzler im vorigen November besser dran. Verkehrsminister Reinhard Klimmt sagte Adieu mit einem Demissionsgesuch, das man auch als Regierungserklärung oder Neujahrsansprache hätte verwenden können. Im Abschied kann eben doch Zukunft liegen.

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