Politik : Hinter den Linden: Aloha!

Markus Feldenkirchen

Bisher war nicht bekannt, was das Innenministerium des Otto Schily mit Hawaii, dem 50. Bundesstaat der USA, gemeinsam hat. Sicher, beide liegen am Wasser - das Ministerium in Moabit an der Spree, Hawaii im Pazifik. Aber da ist mehr. Der Lyriker Paul Kuhn hat seine Probleme mit der Insel 1963 in einem Schlager verarbeitet. Er hat darin dargelegt, warum er nicht nach Hawaii fahren möchte, obwohl seine Verlobte, die Marianne, sich nichts inniger wünscht: "Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier." Dem Sänger Kuhn reichte dies als Begründung, um auf den Trip zu verzichten.

Vielleicht hätten SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler und Grünen-Chefin Claudia Roth ebenfalls auf den Ausflug ins Innenministerium verzichtet, wären sie vorher über den Getränkenotstand im Hause Schily informiert gewesen. Es war am Freitag, kurz vor Mitternacht. Die Verhandlungen über Sicherheitspaket und Zuwanderung zogen sich schon Stunden. Spät also dürstete es Stiegler und Roth nach Bier. Zuvor hatte es nur grünen und schwarzen Tee gegeben und eine Flasche Rotwein, die der Minister selbst entkorkt hatte, aber eben nur eine für elf Verhandler. Nach intensiver Rasterfahndung schließlich die ernüchternde Erkenntnis: Es gibt kein Bier im Ministerium.

Überhaupt sei die Versorgungslage karg gewesen, berichten Teilnehmer. Jedes Schnittchen sei quasi namentlich beschriftet gewesen. Und doch: Stiegler und Roth bekamen noch ihr Bier, das Schilys Helfer extra aus einer Kneipe besorgt hatten. Das war echt nett von denen. Denn, das wusste auch schon der gute Paul Kuhn: "Nur vom HulaHula geht der Durst nicht weg." Na dann: Aloha!

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