Politik : Hinter den Linden: Anders antworten

Hans Monath

Was tut man, wenn man etwas wissen will, das ein anderer schon weiß? Richtig, man stellt ihm eine Frage. Das ist zwischen zivilisierten Menschen so üblich und macht schlau. Wahrscheinlich verdankt sich der ganze Fortschritt des Homo sapiens so einfachen Fragesätzen wie: Wo ist dein Bruder Abel? Oder: Hast du zur Nacht gebetet, Desdemona? Oder: Papi, wo kommen eigentlich die kleinen Kinder her? Oder: Ab wann ist die Mauer offen?

Pech für den Frager ist es allerdings, wenn er an Profi-Sprecher gerät, denn dann ist meist kein Fortschritt mehr, gar nix. Am Montag etwa sollte Vize-Regierungssprecher Bela Anda zu einer Meldung Stellung nehmen, wonach der Kanzler mit Wirtschaftsleuten über Kirch verhandelt habe: "Könnten Sie uns bestätigen, ob dieses Gespräch so stattgefunden hat? Wenn ja, wann?" Andas Antwort: "Erste Frage: nein. Zweite Frage: Folglich daher auch nein." Da wollte der Journalist wissen, warum die Auskunft so knapp blieb. Anda: "Wenn es ein solches Gespräch gegeben haben sollte, dann wäre dies ein vertrauliches Gespräch gewesen, wo sich alle Beteiligten versichert hätten, dass dieses Gespräch hätte vertraulich bleiben sollen. Aus diesem Grunde kann ich dieses Gespräch, sollte es denn stattgefunden haben, nicht bestätigen." Auch die dritte Nachfrage konterte Anda: "Ich kann darauf keine Antwort geben, weil, wenn es ein Gespräch dieser Art gegeben haben könnte, dieses Gespräch vertraulich gewesen wäre. Insofern kann ich es Ihnen nicht bestätigen." Bleibt nur die Frage: Können Sie wenigstens bestätigen, dass es oft keinen Sinn hat, einem Regierungssprecher Fragen zu stellen?

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