Politik : Hinter den Linden: Angekommen

Robert Ide

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist die Vergangenheit endgültig vorbei. Nur noch ein paar bröckelnde Steine müssen die Bagger wegschaufeln, dann ist das "Palasthotel" im Zentrum Berlins abgerissen. Früher residierten hier bundesdeutsche Politiker und Journalisten, um sich ein Bild von der Hauptstadt der DDR zu machen. Das Hotel diente als Brücke zwischen Ost und West, allerdings unerreichbar für normal sterbliche DDR-Bürger. Nun kommt es weg. Für neue Grenzen braucht man neue Brücken. Unsichtbare.

Joschka Fischer hat das erkannt. Der Vermittler vom Dienst hat sich vorgenommen, nicht nur Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu stiften und die Waffenruhe zwischen Fundis und Realos in der eigenen Partei zu überwachen. Nein, Fischer will jetzt auch die Gräben zwischen Ost und West zuschütten. Deshalb hat er sich in ein Fernsehstudio gesetzt und verkündet: "Ich bin ein Ossi." Da haben die Moderatoren nicht schlecht geguckt.

Joschka Fischer hat sich geoutet. Er hat sich dazu bekannt, dass er im Ostteil Berlins wohnt. Und zwar schon lange. Das ist eine große diplomatische Leistung. Das ist die Brücke, nach der Ost und West so lange vergeblich gesucht haben. Endlich müssen sich normal sterbliche DDR-Bürger nicht mehr für ihre Herkunft schämen. Mauer und Stacheldraht sind plötzlich keine Last mehr. PDS wählen, na und! Joschka Fischer hat den Ostdeutschen ihr Selbstvertrauen zurückgegeben - und das mitten im Berliner Lagerwahlkampf. Für diese Leistung gebührt ihm ein Ehrenplatz im rot-grünen Senat. Als Berliner Außenminister für innere Angelegenheiten.

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