Politik : Hinter den Linden: Bedeutendes Nichts

Gerd Appenzeller

Der Januar ist die Hochsaison der Bälle. Der ideale Reisemonat für Berlin, wir geben es zu, ist er nicht. Wie angekränkelt vom grauen Himmel, wirkt die Stadtlandschaft noch karger als sonst. Weit und breit kein Schnee, der gnädig überdeckte, was unkaschiert eher depressiv zu machen in der Lage ist. Dennoch tagte die Europäische Volkspartei, die EVP, jetzt in Berlin und widmete sich dem Thema Europa. 42 christdemokratische und konservative Parteien Europas bilden die EVP, und es gab Zeiten, da waren ihre Treffen nicht etwa deshalb bedeutender als heute, weil die Politiker besser waren - nein, nein nein! -, sondern weil sie überall die Regierung stellten. Das ist gerade man vorbei, und deshalb war das auch ein schwieriges Treffen. Angela Merkel, die CDU-Chefin, hat sehr geschimpft, dass in Nizza die europäischen Sozialisten so gar keine vorwärts weisenden Konzepte entwickelt hätten. Eigentlich wäre zu beklagen gewesen, dass Jacques Chirac in Nizza alles ausgebremst hat, was nur von Ferne nach Fortschritt aussah. Nur ist das dummerweise einer der letzten Konservativen an der Macht, also durfte Frau Merkel es nicht erwähnen. In der Erinnerung haften bleiben wird aber auf jeden Fall, was Wolfgang Schüssel, Österreichs Kanzler, sagte. Nach Nizza dürfe es nun auf keinen Fall zu einem Standstill kommen. Was das ist? Nein, nicht die alpenländische Variante von Stillstand. Es handelt sich um Stillstand auf englisch und wird deshalb auch korrekt - was Stüssel tat - Ständstill ausgesprochen. Was uns das lehrt? Wenn man schon nichts zu sagen hat, muss man es wenigstens so tun, dass alle aufhorchen. Was Wolfgang Schüssel gelungen ist.

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