Politik : Hinter den Linden: Blaue Flecken

Gerd Appenzeller

"Putztruppe" wurde jene, nun, sagen wir einmal, Schlägerkolonne genannt, die in Joschka Fischers wilden Frankfurter Jugend-Zeiten die Gesellschaft durch ruppige Prügeleien mit Polizisten umzugestalten dachte. Im Gegensatz zum eher auf Kurzzeit angelegten Langzeitgedächtnis jüngerer Politiker hat der Bundesminister des Auswärtigen das nicht verdrängt. Er steht dazu, was ihm in allen Meinungsumfragen bei den Deutschen durchaus Sympathiepunkte bringt.

Seit Mittwoch wissen wir aber nun, dass die damalige Tendenz zur non-verbalen Kommunikation bei Joschka Fischer möglicherweise die Folge einer frühkindlichen Prägung gewesen ist. Einer, der bestens informiert sein muss, hat es ausgeplaudert - Rezzo Schlauch, unter den bekannten Politikern dieses Landes der wohl am wenigsten verkünstelte und verbildete. Selbiger Schlauch hat der Illustrierten "Bunte" gesagt, er und Fischer hätten sich vermutlich als Jungs verhauen, weil sie aus zwei Nachbardörfern stammen, deren Kinder im Winter die selbe Rodelbahn beanspruchten. Und dieser Konflikt sei eben ausschließlich handgreiflich zu regeln gewesen.

Was lernen wir daraus? Zum ersten, dass Rezzo Schlauchs Bekenntnis nur insoweit leichtsinnig war, als Joschka Fischer als nachtragend gilt. Wenn der ins Grübeln kommt, wer von beiden damals wem die Hucke vollgehauen hat, kann das für Schlauchs politische Zukunft gefährlich werden. Zum zweiten aber, dass eine kleine Prügelei einem offensichtlich nicht so dauerhaft anhängt wie eine unbeherrschte, große Klappe. Die blauen Flecke verschwinden, die unsichtbaren Blessuren aber haften sehr, sehr lange.

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