Politik : Hinter den Linden: Braten und brüten

Robert Birnbaum

Unbarmherzig brennt die Sonne vom wolkenlos blauen Himmel herab. Die Straße saugt die sengenden Strahlen in den Asphalt, wirft die Hitze in Wellen zurück, dem ermatteten Wanderer ins schweißnasse Gesicht. Die spärlichen Flecken Grün zeigen nur am Rande noch Leben, in der Mitte nur verdorrtes kurzes Gras. Kein Baum, kein Strauch spendet Schatten. Unbarmherzig sticht das Weiß einer Betonmauer in die Augen, zu ihrem Fuße niedergesunken ein Stoppelbärtiger, das Kamel am Zügel...

Halt, nicht übertreiben! Das Kamel ist ein Mountainbike. Aber der Stoppelbärtige sieht wirklich mitgenommen aus, wie er da so hingestreckt liegt, die Mauer des Kanzleramts an seinem Rücken. Wir befinden uns im politischen Zentrum der Republik. Zwischen Reichstag und Paul-Löbe-Haus, zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt herrscht die Hölle. Hier hätten sie den Klima-Gipfel abhalten sollen. Und immer, wenn die Japaner bockig werden, rausschicken die ganze Delegation: So wird das auch bei euch, wenn ihr nicht unterschreibt! Später dann: Tokio im Ozean versunken, um den Gipfel des Fujiyama zieht der Aasgeier seine Bahn.

Unbarmherzig brennt die Sonne vom wolkenlos blauen Himmel herab. Wer zu lange auf dem kahlen Platz verweilt, dem kocht sie das Hirn im Schädel und verwirrt die Gedanken. Wollte sich ein SPD-Abgeordneter vom Reichstag aus aufmachen, um seinem Kanzler ein mahnendes Wort von der Basis zu überbringen, er müsste scheitern in dieser Wüste Sahara. Ob wenigstens drinnen die Klimaanlage funktioniert? Oder brüten die im Kanzleramt den ganzen Sommer über was aus?

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