Politik : Hinter den Linden: Castros Erbe

Robert Birnbaum

Zwei Stunden achtunddreißig Minuten. So lange hat der Stoiber Edi beim Aschermittwoch in Passau geredet. Wer nicht dabei gewesen ist, kann sich gar nicht vorstellen, dass einer so lange was zu sagen hat. Wer dabei war, hat viel Zeit gehabt, darüber nachzudenken, ob das C im Namen nicht eine Partei dazu verpflichtet, die Bibel ein wenig wörtlicher zu nehmen. Die Bergpredigt zum Beispiel: "Eure Rede aber sei Ja, Ja, Nein, Nein. Was darüber ist, das ist vom Übel" (Matthäus 5).

Als Gebrauchsanweisung für Volksredner hat sich das bisher nicht recht durchgesetzt. Dabei ergäbe es erfrischend knappe Parlamentsdebatten. Es spricht zur Rentenreform Walter Riester: "Ja, ja!" Beifall bei SPD und Grünen. Erwiderung Horst Seehofer (mit erhobener Stimme): "Nein, nein!" Beifall bei CDU/CSU. Abstimmung, Mehrheit, Schluss. Stattdessen palavern sie stundenlang über Ausgleichsfaktoren, die nicht mal Riester richtig ausrechnen kann. Was zeigt: Was darüber ist, das ist wahrhaftig vom Übel.

Immerhin müssen wir dem Stoiber Edi bescheinigen, dass er sich relativ schon recht bibeltreu verhält. Atheisten wie Li Peng oder Fidel Castro sind schnell bei vier bis fünf Stunden. Den Weltrekord hält vermutlich der südafrikanische Zulu-Chef Buthelezi mit 17 langen Stunden, verteilt auf zwei Tage. Andererseits belegen historische Beispiele, dass man sich gegebenenfalls auch erstaunlich kurz fassen kann. "Veni, vidi, vici" - nur drei Worte brauchte Julius Caesar für seinen Rechenschaftsbericht nach dem Krieg gegen König Pharnakos von Pontos: Ich kam, sah, siegte. Aber so lapidar kann das der Stoiber Edi im Moment ja nicht sagen.

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