Politik : Hinter den Linden: Charaktermasken

Robert Birnbaum

Na, hamse heute schon das richtige Gesicht gezogen? Nee? Na, dann machense sich mal auf Ihren Rücktritt gefasst! Was, da wissense noch nichts von? Is in der Politik jetzt grade mächtig im Kommen: Visage verpflichtet. Da könnense noch so schlau sein, da könnense sich auskennen noch und nöcher - hilft alles nix. Einmal am falschen Ende gelacht, einmal Kopf zu hoch getragen - aus, vorbei, Abgang!

Glaubense nich?

Beispiel Eins: Andrea Fischer. Hat sich mal unbändig beömmelt wegen - weiß schon kein Mensch mehr. War aber leider mächtig ernsthafter Anlass. Und die Andrea hat gekichert. Hat keine sieben Tage mehr gedauert, warse weg.

Beispiel Zwei: Jürgen Trittin. Fährt im Zug spazieren, quatscht ihn einer vonne Seite an von wegen "Mescalero". Guckt der Jürgen nich betreten mit Standardmiene IV b, "Bedauerliche Jugendsünde", sondern wird pampig. Kann schwer von Glück sagen, dass alle wissen: Jürgen is halt so.

Beispiel Drei: Laurenz Meyer. Kanzler einknasten, dann Rückzieher machen, aber grinsen - kann von Glück sagen, dass beim zweiten Mal wenigstens der rechte Mundwinkel leicht runterhing. Und dass alle wissen - siehe Jürgen. Letzter Beweis: Joschka Fischer. Wie der Joschka im Bundestag den Rücken die ganze Zeit leicht reuig gebeugt hat, wiese ihn inne Zange genommen haben wegen Polizisten-Prügeln - hat ihn gerettet. Wenn der stattdessen gelacht hätte...

P.S. Der Herbert Wehner kann recht froh sein, dass er das nicht mehr erlebt. Dieses ewige Miesepetergesicht! Damals hieß das noch Charakter. Heute würdense ihn feuern. Wegen koalitionsschädigenden Mienenspiels.

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