Politik : Hinter den Linden: Das Netzwerk

Tissy Bruns

19 der 28 Autoren der neuen "Berliner Republik" sind nach 1960 geboren, zwölf davon sogar im oder nach dem magischen Jahr 1968. Die Berliner Republik ist, wie die "68er" gesagt hätten, das theoretische Organ des "Netzwerks". Das wiederum ist ein Zusammenschluss von Sozialdemokraten jenseits der alten Flügel, die in der SPD-Bundestagsfraktion als "Parlamentarische Linke" und "Seeheimer" hinlänglich bekannt sind. Die "Netzwerk"-Leute sind nicht rechts, nicht links, sondern jung. Mit der Herausgabe der Vierteljahreszeitschrift (Schwerpunkt der neuesten Ausgabe "Was ist - was darf der Mensch?") knüpfen die jungen Genossen an die sozialdemokratische Tradition zur theoretischen Verdichtung an. Neben der Zeitschrift verbreiten die Netzwerk-Leute jedoch eine weitere Publikation, die deutlich unterstreicht, dass die unter 40-Jährigen die alte Neigung zur Kopflastigkeit nicht teilen. Dem Netzwerk Berlin verdanken wir den zwei- bis dreiseitigen "Partyguide für Berlin", einen gut geführten Terminkalender über das gesellige Treiben rund um den politischen Betrieb. Wer will, kann den Partyguide als praktische Lebenshilfe nehmen - etwa, um die Frage zu beantworten, wo man kostenfrei Häppchen und kühle Getränke findet. Doch man kann ihn auch mit ausgesprochenem Erkenntnisgewinn lesen. 21 Parlamentarische Abende weist der Kalender für die Monate Oktober und November aus. Von der IG Metall über "Milch & Markt", baden-württembergische Apotheker und Franchise-Verband bis zum Beamtenbund strebt und drängt das ganze Land zu den Abgeordneten. Das Netzwerk zwischen Außerparlamentarischen und Bundestag - noch nie war es so intensiv wie heute.

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