Politik : Hinter den Linden: Der Ball ist rund

Gerd Appenzeller

Die Situation ist da. Die neue Preußen-Debatte, vom brandenburgischen Minister Alwin Ziel im Tagesspiegel angestoßen, hat nach gewaltigem Wirbel in den Feuilletons die Ebene der zwischenstaatlichen Beziehungen erreicht. Preußen war Thema beim Staatsbesuch des polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski in der Bundesrepublik. Und das kam so: In der Vorbereitung des Besuchsprogramms hatten beide Seiten festgestellt, dass es zwischen Polen und der Bundesrepublik eigentlich keine Probleme gibt. Nun war guter Rat teuer. Schließlich muss bei einem Staatsbesuch ja außer über das ziemlich miese Wetter über etwas Substanzielles geredet werden. Da kam Alwin Ziel mit seinem Traum von der Re-Inkarnation des Preußenbegriffs gerade recht.

Wir müssen uns nun Aleksander Kwasniewski und Johannes Rau beim Tee vorstellen, mit Blick auf den verregneten Garten des Bellevue. Rau sagt etwa dies: "Also, Aleksander, ich weiß nicht, das mit Preußen gefällt mir nicht ..." Und der Gast antwortet: "Das ist war für die Geschichtsbücher, Johannes." Der nickt: "Also, haken wirs ab." Dann, nach einer Pause: "Also, eins wäre da aber noch ..." Darauf Kwasniewski, aufmerksam geworden, langgedehnt: "Jaaah?" Rau, verlegen: "Also, Borussia Dortmund, wenn die Meister würden, das würde mir gefallen ..." Darauf, nach einer Pause, Kwasniewski, nachdenklich: "Also, Johannes, da haben wir nun leider doch einen Dissens. Ich bin für Schalke 04."

Zu diplomatischen Verwicklungen hat es letztlich dann aber nicht geführt, weil es um Menschliches ging, nicht um Geschichte. Der Spielführer von Schalke ist der Pole Tomasz Waldoch ...

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