Politik : Hinter den Linden: Der Rest

Robert von Rimscha

Politik ist die Kunst des Möglichen. Die Grenze des Möglichen ist damit die Grenze der Politik. Man kann also Politik einzäunen, indem man beschreibt, was nicht geht. Der Rest ist dann Politik.

Gut, diese Vorrede ist kompliziert, aber sie ist nötig. Denn gleich mit Jürgen W. Möllemann anzufangen wäre ermüdend. Der Ex-Vizekanzler von den Liberalen taugt ja für so viele Glossen, dass man "Hinter den Linden" zum Möllemann-Sperrbezirk erklären müsste. Natürlich nicht so ausschließlich; fünf Prozent Möllemann sind in Ordnung, im Sommer auch mal 18.

Also: Der FDP-Chef in NRW hat diesmal überhaupt nichts Spektakuläres getan, er hat nur gesagt, was er nie und nimmer tun würde. Der Zaun eben. Möllemanns Gatter endet, wo der "Carneval Erotica" anfängt. Möllemann will nicht nackt Fallschirmspringen. Das hat er im Interview mit einem bunten Magazin gesagt. Ein neuer Trend zeichnet sich ab. Politiker schonen die Bürgerseele, indem sie die Furcht vor der völligen Entgrenzung nehmen. Man kann Möllemanns Kollegen nur ermuntern, seinem Vorbild nachzueifern.

Angela Merkel wird nicht auf RTL neue Frisuren anprobieren. Gerhard Schröder wird nicht gegen Harald Juhnke kampftrinken. Edmund Stoiber wird nicht gegen Gregor Gysi fingerhakeln. Joschka Fischer wird weder Trainer der Fußball-Nationalmannschaft noch UN-Generalsekretär. Ein Land atmet auf, weil Politiker ankündigen, was sie nicht tun wollen. Ein solcher Entzug ist offenbar besser verdaulich als feiste Portionen persönlichen Ehrgeizes. Wir lernen: Es gibt Dinge, die sind möglich, aber trotzdem keine Politik.

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