Politik : Hinter den Linden: Die B-Frage

Markus Feldenkirchen

Seit Wochen, ach was, seit Monaten geistert diese Frage durch unsere Köpfe, sie hat die Union aufgewühlt, die Journalisten auch. Es war die Frage, ob Edmund Stoiber seine bayerische Idylle verlassen wird, um nach Berlin zu gehen. Die Frage bewegte. Nicht nur Stoiber selbst, sondern auch seine Frau Karin. "A gä Edmund, bleima dahoam, weils schee is in Bayern" hat sie ihm immer wieder gesagt. So ähnlich wenigstens. Und Stoiber hat ja selbst immer wieder betont, dass es ihm in Bayern vortrefflich gefalle und er keine anderen Ambitionen hege.

Aber das waren, wie sich jetzt herausstellt, nur Ablenkungsmanöver. Geglaubt hat das auch CDU-Chefin Angela Merkel nicht, die immer genau hinhorchte, als Stoiber sich zu seinen Berlin-Ambitionen äußerte, weil sie diese Frage natürlich ganz persönlich betrifft. Doch dazu später.

Denn endlich ist die B-Frage geklärt. Ja, Edmund Stoiber wird nach Berlin gehen und dort zum ersten Mal den Bundespresseball am 16. November in Berlin besuchen. Jenes gesellschaftliche Großereignis, das den Smoking-Verleihern einmal im Jahr die Dollarzeichen in die Augen treibt. Den Smoking besitzt Stoiber schon. Mit Spannung rätselt das politische Berlin jedoch, ob der als tanzscheu geltende Ministerpräsident noch einen Schnellkurs absolvieren wird, um sich so sicherer auf dem glatten HauptstadtParkett im Hotel Intercontinental bewegen zu können. Ein Kommentar von Parteichefin Merkel zur Entscheidung in der B-Frage war am Sonntag nicht zu bekommen. Vielleicht bereitet sie sich bereits mental auf den direkten weil hautnahen Zweikampf mit ihrem Konkurrenten vor: den ersten Tanz des Abends.

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