Politik : Hinter den Linden: Die Welt im Blick

Robert Birnbaum

Sehr geehrte Herren Staats- und Regierungschefs, Sie hätten besser auf meinen alten Freund Silvano gehört. "Genua", hat Silvano gesagt, als wir vor Jahren durch die engen, düsteren Gassen und Gässchen im Hafenviertel gebummelt sind, "Genua ist nicht so gut für ahnungslose Touristen. Die sollen nach Savona fahren." In Savona kennt sich Silvano aus, weil er da nämlich wohnt. In Savona, sagt Silvano, gibt es verhältnismäßig wenig Mafia. Ich sollte hinzufügen, dass mein alter Freund die Angewohnheit hat, alle wesentlichen Ereignisse ursächlich auf die Mafia zurückzuführen. Wenn zum Beispiel vor der ligurischen Küste ein Tanker sinkt, weist Silvano messerscharf nach, dass die Mafia dahinter steckt, weil sie bei sinkenden Rohölpreisen an der Reinigung der Badestrände mehr verdient als an dem alten Pott, wenn der heil die Raffinerien von Genua erreicht.

Aber das nur nebenbei. Ich hätte Ihnen einen Vorschlag zu machen. Wissen Sie, wo und wann Sie den nächsten Weltgipfel abhalten sollten? Am 21. Juli in Berlin. Am gleichen Tag wie die Love Parade. Sie könnten sich das ganze Brimborium mit Sicherheit und Straßensperren sparen, weil die Berliner, so sie nicht flüchten, an dem Tag ohnehin keinen Fuß vor die Tür setzen. Um zureisende Chaoten müssen Sie sich auch keine Sorgen machen, weil die, wenn sie nach alter Gewohnheit dem Ort der größten Randale zustreben, alle am Großen Stern steckenbleiben und mit ihren Parolen im UMZ-UMZ-UMZ-UMZ-TRILLER-UMZ-UMZ-UMZ glatt untergehen.

Sie aber, meine Herren, sitzen mit Ihren Chefberatern oben im Drehrestaurant auf dem Fernsehturm. Sie glauben gar nicht, wie inspirierend so ein Weitblick sein kann! Und wenn Sie fertig sind, werfen Sie das Kommunique aus dem Fenster der Weltpresse unten auf dem Alex zu. Denken Sie drüber nach. Mit freundlichen Empfehlungen, Ihr Robert Birnbaum

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