Politik : Hinter den Linden: Die Wüste lebt

Stephan-Andreas Casdorff

Dienstleistungswüste Deutschland - so klagen sie doch allerorten. Unsinn! Im Herzen der Republik, mitten in Berlin, dort, wo der Bundeskanzler auf die Abgeordneten schaut, aus seiner Regierungsmaschine, ist alles anders. Zumindest scheint es so.

Unten, am Tresen im Eingang, gibt es an diesem heißen Tag Eis. Das mag eine Ausnahme gewesen sein. Aber ist nicht andererseits alles, was wir wahrnehmen, ein Ausschnitt? Weiter oben, dort, wo die Luft dünner wird (natürlich nur politisch), werden erst einmal permanent Dienstleistungen geboten - im wahren Wortsinne Dienst für Deutschland. Obwohl manche jetzt sagen werden, das sei im Preis inbegriffen.

Aber es gibt auch dort, wo das große Bullauge ist, an der linken Seite - von innen gesehen - eine Ecke mit Tisch und ein paar Stühlen. Sie stehen draußen, im Schatten der Säule. Dort können Besuchergruppen lauschig verschnaufen: im Cafe¿ Kanzler, sozusagen. Wenn sie ein wenig den Hals recken, sehen sie auch Staatsminister Hans-Martin Bury, wie er Dienst leistet.

Und wenn die Besucher dann von da oben den Blick schweifen lassen, sich gewissermaßen von höherer Warte einen Überblick verschaffen ... Dann sehen sie außerdem, wie aus der vor ihnen liegenden Wüstenei zwischen Kanzleramt und Band des Bundes allmählich eine blühende Landschaft wird, eine mit willigen Helfern, mit grünen Oasen.

Nun, wenn das kein sinnfälliges Bild ist! Und was kann die Wirklichkeit dafür, dass wir sie politisch wahrnehmen? Dass wir den erlebten Ausschnitt für wahr nehmen? Ja, die Wirklichkeit kann es uns leicht machen. Es kommt eben auf unseren Standpunkt an.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben