Politik : Hinter den Linden: Doppelter Lamers

Markus Feldenkirchen

Kennen Sie die noch, die Geschichte von Lotte Körner und Luise Palfy? Von den Mädchen, die nicht schlecht staunten, als sie sich eines Tages in einem Ferienheim gegenüberstehen? Jedenfalls sahen sich die beiden zum Verwechseln ähnlich, dachten gar, sie würden statt in ein anderes Gesicht in einen Spiegel gucken. Erich Kästner hat dieses Verwechslungsstück einst aufgeschrieben und damit Millionen kleine und große Leser begeistert.

Was aber hat die Geschichte vom doppelten Lottchen mit dem Deutschen Bundestag zu tun? Eigentlich wenig. Und doch wurde am vorigen Donnerstag eine Liste im politischen Berlin verbreitet, auf der sich alle Abgeordneten wiederfanden, die gegen den Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr gestimmt hatten. Viele Korrespondenten dachten erst an einen Druckfehler, als auf jener Liste der Eintrag: Lamers, Karl zu lesen war. Sollte er wirklich dagegen gestimmt haben? Jener Lamers, der so vehement versucht hatte, die Union doch noch zur Zustimmung zu bewegen?

In Wahrheit hatte der doppelte Lamers erstmals seine volle Wirkung entfaltet: Von vielen Beobachtern unbemerkt sitzen seit Jahren zwei Namensvetter im Parlament. Beide sind sie in der CDU. Der berühmte Lamers, er heißt Karl, sitzt seit 21 Jahren im Bundestag und ist außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Der andere heißt auch Karl, ist insgesamt sieben Jahre mit dabei, was vielen aber bisher nicht aufgefallen ist. Mit seinem Nein zum Mazedonien-Einsatz ist er erstmals aus dem Schatten des berühmten Karl Lamers herausgetreten. Das war schon bei Kästner so. Am Ende fliegt alles auf.

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