Politik : Hinter den Linden: Doppelwährung

Hans Monath

Wer hat es schon gern, wenn eine aufgeblähte Bürokratie in rasantem Tempo das Steuergeld verschlingt? Wolfgang Schäuble jedenfalls nicht, wie er am Montag bei einer Pressekonferenz zum Thema "Europa" unmissverständlich deutlich machte. Die Union war in prominenter Besetzung erschienen: CDU-Chefin Angela Merkel, CSU-Chef Edmund Stoiber, der bayerische Europaminister Reinhold Bocklet und eben Wolfgang Schäuble saßen auf dem Podium.

Der ehemalige CDU-Parteichef beklagte die Unsinnigkeit der Strukturfonds: Insgesamt 52 Milliarden Mark würden eingezahlt, davon flössen 32 Milliarden über Umwege an die Geberländer zurück, nur 20 Milliarden würden umverteilt. So dozierte er gerade, als ihn Edmund Stoiber unterbrach, der zwar aus dem barocken München kommt, aber trotzdem als penibler, fast preußisch korrekter Arbeiter auf dem Feld der Politik gilt: "Nicht Mark, Euro!". Um die doppelte Summe gehe es also. Auch Reinhold Bocklet, der Europa-Minister aus München, brachte wenig später noch einmal dasselbe Beispiel. Wieder korrigierte Stoiber, unerbittlich wie die preußische Oberrechnungskammer: Es waren doch Euro!

Aber Bocklet, der als einfacher Minister eigentlich den Weisungen seines Landesherrn untersteht, zeigte sich bockig - wahrscheinlich fühlte er sich als zuständiger Ressortchef auch sattelfester als der Chef. Er beharrte darauf, dass es um eine Mark- und keine Euro-Summe gehe. Auch Merkels Vorgänger als Parteichef widerfuhr nun Gerechtigkeit: "Also hat der Schäuble doch Recht", murmelte jemand auf dem Podium. Da gab Edmund Stoiber den Belehrungsversuch auf und sinnierte laut über die Schwierigkeiten im Umgang mit der Mark und der neuen Euro-Währung. Aber warum soll es den Politikern da besser gehen als einem einfachen Menschen, der in diesen Tagen auf seinen Kontoauszug mit verwirrender Doppelwährung schaut?

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