Politik : Hinter den Linden: Dornröschen

Dagmar Dehmer

Renate Künast ist der Humor nicht vergangen. Nach gut zwei Monaten als Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin findet sie noch immer, dass ihr Job ein dankbarer ist. "So freundlich wie ich hie und da begrüßt werde", spottete sie kürzlich bei einer Veranstaltung in Berlin. Doch mit Mitgefühl aus ihrem Freundkreis brauche sie gar nicht erst zu rechnen, berichtete sie. Ihre Freunde kommentierten ihr neues Amt eher herzlos: "Dumm gelaufen. Als Du angefangen hast, waren die einfachen Jobs schon alle vergeben." Sie präsentiert sich entsprechend. Wach und angriffslustig.

Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten der Bauern stellt Künast noch immer grundsätzliche Fragen. Zum Beispiel: Wer zahlt eigentlich, wenn eine bestimmte landwirtschaftliche Produktion kostspielige Probleme hinterlässt? "Doch nicht die Bauern", antwortet sie sich selbst. "Die nehmen nur Prämien entgegen." Mit dem ganzen Ärger hinterher schlägt sie sich herum. Angesprochen auf das umstrittene Massenschlachtprogramm sagt sie leicht genervt: "Ich bin dankbar für gute Ratschläge, aber nur wenn sie auch umsetzbar sind." Wenn ihr zum Beispiel ein Unternehmer kostenlos Rindfleisch für einen möglichen Transport nach Nordkorea eindosen will, würde sie sofort zugreifen: "Da kenne ich nichts."

Richtig ärgern kann sich Renate Künast, wenn sie den Eindruck hat, dass ihre Kollegen ihr den ganzen Scherbenhaufen von der BSE-Krise bis zur Maul- und Klauenseuche vor die Füße kehren wollen. Diesen Verdacht hegte sie bei besagter Veranstaltung gegenüber Eberhard Sinner, dem neuen bayerischen Gesundheitsminister. Renate Künasts Ordnungsruf: "Sie sind doch nicht Dornröschen."

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